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Ökonom Paul J.J. Welfens aus Neuss äußert sich zum Brexit und den Folgen

Ökonom aus Neuss äußert sich : Was der Brexit für die EU bedeutet

Wirtschaftsprofessor Paul J.J. Welfens, der in Neuss lebt und an der Uni Wuppertal lehrt, äußert sich zu den Folgen des Wahlsiegs von Boris Johnson.

Der Brexit kommt, die Europäische Union ist unter Druck. Das ist nach dem historischen Wahlsieg Boris Johnsons in Großbritannien eine der Kernthesen von Paul J.J. Welfens. Mit seinem Buch „Brexit aus Versehen – Europäische Union zwischen Desintegration und neuer EU“ hat der in Neuss lebende Wirtschaftswissenschaftler im Oktober 2016 ein viel beachtetes Werk vorgelegt und ist ein gefragter Ansprechpartner, wenn es um den Brexit und seine Folgen geht. Nun hat sich der 62 Jahre alte Professor, der an der Bergischen Universität in Wuppertal lehrt und das Europäische Institut für internationale (EIIW) leitet, zum Wahlsieg Johnsons und der Konservativen (Tories) sowie den Folgen geäußert.

Welfens betont, dass der Brexit nicht nur wie von Boris Johnson gewünscht Ende Januar 2020 umgesetzt werde und der Wahlerfolg eine Stärkung des Populismus nicht nur im Vereinigten Königreich, sondern in ganz Europa nach sich ziehe. Mit dem Slogan „The People’s Government“ (Volksregierung) greife Johnson einen früher im sozialistischen Osteuropa populären Begriff auf. Zudem könne Großbritannien ab Februar mit den USA und anderen Ländern neue Freihandelsabkommen schließen, schon mittelfristig dürfte das Vereinigte Königreich die EU27-Länder mit Steuersenkungen und neuen Bankenregulierungen unter Druck setzen. Die Verhandlungsposition Großbritanniens bei den Gesprächen mit der EU sei relativ gut. Welfens ist überzeugt: „Dass Boris Johnson den knappen Ausgang des EU-Referendums 2016 – 51,9 Prozent für den EU-Austritt – zu einem klaren Wahlsieg im Dezember 209 hat ummünzen können, ist zugleich ein Warnsignal an die EU27, dass sich ein EU-Austritt politisch durchaus lohnen kann.“ Bislang fehle es in der EU mit Blick auf den Ausgang des Brexit-Referendums an Selbstkritik. Welfens warnt: „Ohne Reformen in der Europäischen Union drohen Instabilitäten in der Eurozone und der EU27.“

Auch wirtschaftlich ist der Brexit eine Herausforderung für die EU. Zwar würde das Wegfallen der Nettoeinnahmen aus dem Vereinigten Königreich durch die „Austrittszahlung“ von knapp 40 Millionen Euro zunächst abgefedert. Aber: „Die EU27, die ein Fünftel an ökonomischem Gewicht durch den EU-Austritt verliert, ist dringend gefordert, kritisch in den politischen Rückspiegel beim verlorenen EU-Referendum 2016 zu schauen und wichtige EU-stabilisierende Reformprojekte zügig anzuschieben.“

(NGZ)