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Neuss: Obdachlose planen Demo zu Schützenfest

Neuss : Obdachlose planen Demo zu Schützenfest

Zwei obdachlose Männer wollen an Schützenfest-Sonntag auf dem Freithof vor dem Zeughaus eine Demonstration veranstalten. Sie geben an, auf die Situation der rund 30 Wohnungslosen in Neuss aufmerksam machen zu wollen.

Um möglichst viele Teilnehmer zu gewinnen, wollen sie angeblich über das soziale Netzwerk "Facebook" dazu einladen.

Gestern meldeten sie die Veranstaltung per Fax bei der Kreispolizeibehörde an, das bestätigt Polizei-Sprecher Hans-Willi Arnold. Bei den Männern handelt es sich nach Informationen unserer Zeitung um einen Vater und dessen 21 Jahre alten Sohn, die offenbar auch in Neuss leben. Sie sind gestern Morgen im Rathaus aufgetaucht und haben im Büro des Bürgermeisters über ihre Absicht informiert.

"Wenn die beiden nicht zu Beginn gesagt hätten, sie seien Obdachlose, ich hätte dies an ihrem Erscheinungsbild nicht erkannt", sagt Ingeborg Begalke aus dem Vorzimmer von Bürgermeister Herbert Napp, der die Begegnung selbst nicht mitbekam. "Sie waren ausgesprochen höflich und kamen nach einer Stunde wieder, um uns das Fax zu zeigen, das sie an die Polizei geschickt haben."

Sie hätten auch erzählt, dass sie gerade den großen Besucherauftrieb am Schützenfest-Sonntag nutzen wollen, um auf dem Freithof mit einem Zelt und großen Transparent auf die Situation der Obdachlosen aufmerksam zu machen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung mahnt ein Mitarbeiter, der seit Jahrzehnten in einer Einrichtung arbeitet, die tagsüber Obdachlose betreut, zur Vorsicht: "Ich glaube, dass bei dieser Aktion schon sehr persönliche Motive der beiden wohnungslosen Männer eine Rolle spielen." In vergleichbaren Fällen in anderen Städten habe es für Obdachlose danach Wohnungsangebote gegeben.

Caritas-Direktor Norbert Kallen ist eine "Wohnungsnot" nicht bekannt. "Seltsam, eine solche Demo an Schützenfest." Polizei-Sprecher Arnold spricht von "sehr unvollständigen Unterlagen". So fehle die Ortsangabe für die Demonstration. "Wir werden jetzt Kontakt mit ihnen aufnehmen und ein Kooperationsgespräch führen." Die Polizei werde nach Mitteln und Wegen suchen, um das Recht auf Versammlungsfreiheit zu gewährleisten. "Daher haben wir auch nichts zu genehmigen, sondern es geht nur um die Bestätigung der Durchführung der Versammlung."

(NGZ/rl)