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Neuss: Norfer baut rollende Küchenzeile

Neuss : Norfer baut rollende Küchenzeile

Wenn Tim Eigen mit seinem VW-Bus auf Reisen ist, fällt er vor allem wegen seines Küchenanhängers auf. Denn in einen über 50 Jahre alten Geräteanhänger der Feuerwehr hat er eingebaut, was anderen Campern oft wie der schiere Luxus scheint.

Erst die "Verlängerung" macht den VW-Bus von Tim Eigen zum Luxusliner. Denn der 29-Jährige hängt für jede größere Tour an sein Wohnmobil der Marke Selbstausbau einen Küchenwagen der Superlative an. Mit Kaffeemaschine, Grill, Vier-Flammen-Gasherd, Spüle, Kühlschrank, Backofen und, und, und. Ein Hingucker und Mittelpunkt auf allen Campingplätzen, die der Norfer bisher angesteuert hat. Und immer muss er den staunenden Campern seine Geschichte erzählen, die mit den Worten anfängt: "Ich habe mich getraut."

Die Geschichte von Wohnmobil und Küchenanhänger ist auch eine Mutmach-Geschichte für handwerkliche Amateure. Denn als solchen bezeichnet sich auch der Feuerwehrmann in Diensten der Stadt Dormagen, der sein Ausbauprojekt mit Bohrmaschine und Stichsäge aus dem Baumarkt in Angriff nahm. Allerdings in dem Bewusstsein, keine zwei linken Hände zu haben.

Klappe hoch: Auf der linken Hängerseite findet sich eine Kaffeemaschine ... Foto: Woitschützke, Andreas

2005 kaufte sich der Norfer Tim Eigen einen VW-Bus Baujahr 1978, der beim DRK als Gerätewagen im Einsatz war. Er baute Bett, Bettkasten und ein kleines Schränkchen hinein und machte sich im Jahr darauf auf die erste Urlaubsreise. Der Komfort ließ noch zu wünschen übrig. "Gekocht wurde vor dem Wagen", nennt Eigen ein Detail.

Das wurde auch nicht wesentlich besser, als im Jahr darauf Strom in den Wagen kam und ein 20-Liter-Wassertank. Und überhaupt: Wohin mit dem Gepäck, wenn man mal mehr als acht Tage unterwegs sein wollte?

So wurde die Idee mit dem Anhänger geboren, den Eigen schließlich in Eschwege aus einem Feuerwehr-"Nachlass" ersteigerte. Ein so genannter Nachläufer für eine Tragkraft-Spritze, Baujahr 1960. 350 Euro überwies Eigen für den bei Ebay unbesehen ersteigerten Anhänger nach Nordhessen. Für den gab es allerdings keine Papiere.

Das jedoch wurde erst zum Problem, als der Tüftler seinen Anhänger zulassen wollte. Ein halbes Jahr zog sich das Ringen mit den Behörden dabei hin und kostete so viel Nerven, dass er den Ausbau seiner rollenden Küchenzeile zwischenzeitlich fast aufgab. Auch deshalb dauerte es fast vier Jahre, bis der feuerrote Küchenwagen, den Eigen Zug um Zug und ohne festen Plan ausbaute, einsatzfähig war.

Seitdem hat Eigen die Ostseeküste mit seinem Gespann abgeklappert, war in Holland und in Italien. Und auch wenn er daheim eher ungern und alleine ohnehin nie kocht — auf den Campingplätzen ist das ganz anders. Auch weil sich schnell andere dazugesellen und im Angesicht des Gespanns gerne von ihren "Bulli"-Erlebnissen berichten.

Bei jeder Heimkehr stößt Eigen als erstes immer auf sein Mottorrad der Marke MZ, Baujahr 1962. An dere Restaurierung, so gibt der Bastler zu, traut er sich noch nicht.

(NGZ/rl)