Neuss: Nordstädter streiten mit Flughafenchef

Neuss : Nordstädter streiten mit Flughafenchef

Der Flughafen Düsseldorf plant mehr Flugbewegungen in den Spitzenzeiten am Tag . Ziel ist es aber auch, auf die Bedürfnisse der Anwohner zu achten. Deshalb informierte Flughafenchef Thomas Schnalke jetzt die Nordstädter.

Da standen Fachleute und Fluglärmgegner zeitweise Schlange: Der Platz am Mikro war am Mittwochabend im Thomas-Morus-Haus auf der Furth äußerst begehrt. Das Thema, das die Bürger so aufwühlt: Der Düsseldorfer Flughafen will den nächsten Schritt seiner Wachstumsstrategie realisieren. Das neue Schreckgespenst lautet in der Sprache der Bürokraten "Antrag auf Planfeststellungsverfahren zur Kapazitätserweiterung".

Eingeladen hatte der Flughafen, um über seine künftigen Vorhaben zu informieren. Der Saal war zwar nur leidlich gefüllt, doch all jene, die gekommen waren, hatten auch etwas auf dem Herzen. Ungeduldig verfolgten sie die kurze Präsentation von Flughafen-Geschäftsführer Thomas Schnalke, der alle Besucher auf denselben Wissenstand bringen wollte: Der Airport will wachsen, und zwar mit einem Plus der Flugzeiten während des Tages. Damit wolle das Unternehmen die Nachfrage, die ohne Zweifel da sei, bedienen und die Zukunft des Flughafens mit rund 20 000 Arbeitsplätzen sichern, sagte Schnalke.

"Der Düsseldorfer Flughafen ist international anerkannt und kann sich einer Zunahme vor allem des interkontinentalen Verkehrs erfreuen", betonte der Flughafen-Chef. Er sei stolz darauf, dass der Airport ab dem kommenden Jahr nach langer Zeit wieder einen Direktflug nach Japan anbieten könne — was auch für die in Düsseldorf und Umgebung lebenden Japaner von Bedeutung sei, sagte Schnalke.

Insgesamt benötige der Flughafen mehr Flexibilität im Hinblick auf die Nutzung von Nord- und Südbahn. In den Spitzenstunden, erkläre Schnalke, könnten in der Zukunft bis zu 60 Flugbewegungen, also Starts und Landungen, koordiniert werden. Die Nordbahn soll dafür stärker eingebunden werden. Dabei betonte Schnalke, dass die im Angerlandvergleich festgeschriebene nachrangige Nutzung der Nordbahn weiter sichergestellt sei. Auch die Nachtruhe und die Flugrouten blieben von den Veränderungen unberührt.

In der anschließenden Diskussion meldete sich eine Nordstädterin zu Wort, die sich in das Thema hineingearbeitet hat. Sie betonte, dass es in der Nordstadt ohnehin "angeblich keinen Fluglärm" gebe. "Dabei haben wir im Sommer eine unzumutbare Lärmbelästigung, die durch die vermehrten Flugbewegungen nur noch schlimmer werden wird", sagte sie. Uwe Ritterstaedt, sachkundiger Bürger und Mitglied für die CDU im Umweltausschuss fügte hinzu, dass die wirtschaftliche Komponente sicher interessant sei. "Uns geht es aber um den Lärmschutz. Vor allem die Ruhezeiten in den Morgen- und Abendstunden werden massiv gestört", meint Ritterstaedt.

Auch Bürger aus Grefrath nutzten die Informationsveranstaltung, um einmal zu Wort zu kommen. "Wir befürchten die vermehrten Flugbewegungen. Gerade im Sommer werden sie uns dazu zwingen, im Haus zu sein", sagt ein Grefrather und forderte: "Es muss eine langfristige Planung für eine Verlegung des Flughafens her." Und auch mit Blick auf die Sicherheit kam deutliche Skepsis auf: Wer garantiere denn, dass 60 Starts und Landungen innerhalb einer Stunde gefahrlos abgewickelt werden, so eine weitere Frage. Schnalke versicherte, dass dieser und viele andere Aspekte eingehend geprüft werden. Gutachten seien in Arbeit. Zudem hätten die Bürger die Möglichkeit, Einwände zu erheben.

2014 will der Flughafen beim Ministerium den Antrag auf Erweiterung stellen, bis zur Genehmigung können jedoch Jahre vergehen. Es war die siebte von zehn Info-Veranstaltungen. "Wir wollten Fakten liefern und diskutieren", so Schnalke.

(NGZ)
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