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Neuss: Norbert Scheuer beendet Literarischen Sommer

Neuss : Norbert Scheuer beendet Literarischen Sommer

Einen Roman zu lesen, heißt immer auch, sich Vorstellungen über den Autor im Kopf zu machen. Wenn also jemand voller Poesie und mit genauer Beobachtungsgabe ein stilles Buch über Menschen und ihr Leben in einem kleinen Dorf in der Eifel schreibt, für die das Angeln im Fluss die Welt ist – muss das nicht ein melancholischer Mensch, ein Eifel-Eremit sein, der sich im Wasser unter Fischen wie zu Hause fühlt?

Einen Roman zu lesen, heißt immer auch, sich Vorstellungen über den Autor im Kopf zu machen. Wenn also jemand voller Poesie und mit genauer Beobachtungsgabe ein stilles Buch über Menschen und ihr Leben in einem kleinen Dorf in der Eifel schreibt, für die das Angeln im Fluss die Welt ist — muss das nicht ein melancholischer Mensch, ein Eifel-Eremit sein, der sich im Wasser unter Fischen wie zu Hause fühlt?

Bei Norbert Scheuer stimmt nur die Sache mit der Eifel. Denn der mehrfach ausgezeichnete Autor, lebt in Kall, das in seinen Romanen auch immer wieder Schauplatz ist. So auch im Buch "Überm Rauschen", aus dem er heute beim Literarischen Sommer in der Stadtbibliothek liest. Aber ansonsten: Er kann nicht angeln, ist alles andere als still und melancholisch, sondern im Gegenteil gesprächig und fröhlich, und sein Hauptberuf passt auch nicht. Scheuer ist Systemprogrammierer bei der Telekom.

Thema Heimat

"Aber jetzt nur noch halbtags", sagt er lachend, was vor allem heißt, dass er mehr Zeit zum Schreiben hat. "Fast schon zu viel", glaubt er zwar, denn früher hatte er ein klares Raster. Stand morgens früh auf, schrieb zwei Stunden an seinem aktuellen Roman und fuhr dann zur Arbeit. So hat er immer zwei, drei Monate am Entwurf der Geschichte gearbeitet, erzählt er, danach ging es ans Korrigieren und Redigieren, "und das geht zu jeder Tageszeit".

Am Anfang eines Romans steht bei ihm immer ein Bild. Das findet er in seiner Umgebung, und weil der in Prüm geborene 59-Jährige sich vor Jahren entschloss, mit seiner Familie von Düsseldorf in die Eifel zurückzukehren, sind das eben Bilder von Kall und seinen Menschen. "Ich erfinde relativ wenig", sagt er, "sondern bringe meine Wahrnehmungen nur neu in Verbindung." So dass sich auch niemand wiedererkennt.

Die Hauptfigur in "Überm Rauschen", Leo Arimond, zieht sich sogar durch all seine Romane, gehört zu den Figuren, die sich in Norbert Scheuer festgesetzt haben, "weil eine Nähe da ist". Denn deren Tiefe entwickele sich beim Schreiben, sagt er und lacht — manchmal nämlich auf eine Art, wie er es nicht gedacht hätte. Immer wieder aber geht es um Heimat, "um etwas, was man woanders sucht, nicht findet. Und man geht wieder zurück und stellt fest: Es ist nicht das, was man damit verbunden hat."

Termin Neumarkt, Donnerstag, 18. August, 19.30 Uhr, Eintritt sieben Euro

(NGZ)