Norbert Lammert imponiert der Bürgersinn der Neusser

Schützenfest : Lammert imponiert Bürgersinn der Neusser

Der Bundestagspräsident war am Sonntag Ehrengast beim größten rheinischen Schützenfest in Neuss.

Dresdens Bischof Heiner Koch fiel beim Kirchgang auf, dass die Zuschauertribünen auf dem Markt bereits drei Stunden vor Beginn der Parade gut gefüllt waren. Simon McDonald, Botschafter der britischen Queen in Berlin, imponierte die große Zahl junger Männer im Schützenregiment, und Bundestagspräsident Norbert Lammert zeigte sich beeindruckt von der Größe und Bedeutung des Neusser Schützenfestes. "Es ist schön zu sehen, dass in einer Zeit der Digitalisierung und der Beschleunigung eine gesamte Bürgerschaft zu ihren Traditionen steht", sagte der protokollarisch zweite Mann im deutschen Staat, der sich eigens für seinen Auftritt in der rheinischen Schützenhauptstadt einen Frack organisiert hatte: "Das ist normalerweise nicht meine Kleiderwahl."

Allein das Gewicht der drei einmaligen Ehrengäste, die gestern der Einladung gefolgt waren, an der Königsparade teilzunehmen, belegt, welchen Stellenwert das Neusser Schützenfest inzwischen auch bundesweit besitzt. Da sind einmal die nackten Zahlen: Mehr als 7500 Marschierer, darunter 5700 Schützen und 1800 Musiker, ziehen noch heute (15.45 und 19.30 Uhr) und morgen durch die rheinische Schützenhauptstadt. Am Dienstag (18.15 Uhr) wird auf der Festwiese (Galopprennbahn) der neue König ausgeschossen und anschließend in einem letzten, fröhlichen Umzug (20.30 Uhr) heimgeleitet. Zu den Umzügen und Aufmärschen - inklusive der Kirmes - kommen jährlich mehr als eine Million Besucher.

Doch die Neusser Schützen versuchen nicht nur mit Quantität zu überzeugen. Das viertägige Fest Ende August ist nur der sichtbare Ausdruck eines gelebten Bürgersinns, der die Gesellschaft in der Stadt mit ihren 150 000 Einwohnern weitgehend zusammenhält. Ein Wir-Gefühl als verbindendes soziales Netz. Im Ehrenamt übernimmt der Bürger Verantwortung - für sich und für die Gemeinschaft. Schützen schützen. So ist das Schützenfest mehr als nur eine schöne Abwechselung, wie Norbert Lammert beim Königsmahl in seiner Dankrede formulierte. Die Botschaft der Holzgewehre mit Blumen in den Läufen sei schön, aber "die reale Welt ist nicht so". So erinnerte der Bundestagspräsident an die aktuellen Krisenherde von der Ukraine über Syrien und Irak bis hin zum Gaza-Streifen.

Das Neusser Schützenfest lockt stets auch Prominente an, die sich als Marschierer einreihen. Zu ihnen zählte am Sonntag Düsseldorfs designierter Oberbürgermeister Thomas Geisel, der zwei Tage vor seiner offiziellen Amtsübernahme das Bad in der Menge genoss. Später konnte er als Gast im Rathaus das Fest aus einer zweiten Perspektive erleben.

Beim Blick auf die Parade stand er im Amtszimmer des Neusser Bürgermeisters Herbert Napp, der bundesweit als "Vesuv von Neuss" bekannt geworden war, weil er gegen die Vorschriften an seinem Schreibtisch rauchte. Doch von kaltem Zigarettenmief keine Wolke. Wohl aber überraschte Napp, der sein vorletztes Schützenfest als Rathaus-Chef feierte, mit der Ankündigung, er werde nach Ende seiner Amtszeit im Herbst 2015 auch mit dem Rauchen aufhören: "aber erst danach."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Diese Promis besuchten die Neusser Parade 2014

(RP)