Neuss: Niedrigzinsen bremsen "Bü.Ne" nicht

Neuss : Niedrigzinsen bremsen "Bü.Ne" nicht

Die Bürgerstiftung Neuss ist zehn Jahre alt - und feiert das als "Rosen-Jubiläum". Von der Idee, mit Zinserträgen wirtschaften zu können, hat sich der Verein schnell gelöst. Spenden sichern sein bürgerschaftliches Engagement ab.

Vier Prozent Zinsen auf das Stammkapital: Diese Zahl beflügelte vor zehn Jahren die Fantasie einer Gruppe von Neussern um Beate Roderigo, die eine Bürgerstiftung gründen wollten. Die Einnahmeerwartung zerplatzte noch im gleichen Jahr, als mit der Wirtschaftskrise die Zinsen in den Keller gingen. Doch der Gestaltungswille blieb. Zehn Jahre spricht nicht nur Mitbegründer Michael Hohlmann von einem Erfolg der "Bü.Ne": "Eine Schwächephase hat es nie gegeben", stellt er fest.

Mit ihrem Stiftungsforum am Montag (22.) in der Pegelbar wollen Dorothea Gravemann, die Vorsitzende der Bürgerstiftung, und ihre Mitstreiter aber nicht in selbstzufriedener Rückschau verharren. Sie lenken den Blick vielmehr auf die kommenden Monate. 2018, sagt Gravemann, "wird ein Bü.Ne-Jahr" . Monat für Monat wird es zumindest eine große Veranstaltung geben, mit der die Stiftung in die Öffentlichkeit geht. Nur hinter den Plänen für den Dezember setzt Gravemann noch ein Fragezeichen. "Mal sehen, ob dazu die Kraft noch reicht."

135 Gründungsstifter trugen zum Start der "Bü.Ne" 58.300 Euro zusammen. 25.000 Euro legte die Sparkasse noch oben drauf, die damals Anschubfinanzierung zur Gründung einer Bürgerstiftung in jeder Kommune des Rhein-Kreises gab - und diese oft maßgeblich initiierte. In Neuss nicht. "Wir haben uns aus eigener Kraft gegründet und mit eigenem Kapital", sagt Hohlmann. Das Geld von der Sparkasse nahm man trotzdem gerne. Bis heute wuchs das Eigenkapital auf 224.000 Euro an. Trotzdem musste sich die Stiftung von den Zinsen unabhängig machen. In zehn Jahren verbuchte der Schatzmeister gerade einmal 17.500 Euro auf dieser Position. Spenden - bisher 242.000 Euro - verschafften der Stiftung gestalterische Freiräume. Spenden und Einnahmen aus eigenen Aktionen wie Konzerten, Lesungen oder dem - schon traditionellen - Verkauf von Eierlikör kurz vor Ostern. 35.000 Euro kamen so durch eigene Anstrengungen zusammen.

Und die Stiftung sitzt nicht auf dem Geld. 133.000 Euro flossen in eigene Projekte, 40.000 wurden freigegeben, um Initiativen anderer Akteure in der Stadt zu unterstützen. Schnell, unbürokratisch, bürgernah wollte und konnte man helfen. "Das war das Ziel", sagt die Gründungsvorsitzende Roderigo.

Bei seiner Arbeit kann sich der Vorstand auf ein Netz von etwa 150 Spendern stützen. Hinzu kommen 100 Helfer und "Zeitspender" genannte Neusser, die man - oder über die man andere - mobilisieren kann. "Bürgerschaftliches Engagement - ohne ist kein Staat zu machen", sagt Gravemann - und genauso ist eine Diskussionsveranstaltung überschrieben, die im November geplant ist. "Der Meinung, die da oben machen, was sie wollen, wollen wir bewusst etwas entgegen setzen", sagt Gravemann.

Denen "da oben" begegnet auch die "Bü.Ne" mal mit breiter Brust, mal listenreich. Als sich etwa Gerüchte mehrten, der Drususplatz und der Brunnen dort könnten abgeräumt werden, startete die Stiftung eine Reparatur- als Rettungsaktion - und durfte dafür Wünsche bei der Verwaltung platzieren. Dieser "Deal" hält bis heute.

(-nau)