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Neuss: Nickel: Stadt muss auf Kirchen zugehen

Neuss : Nickel: Stadt muss auf Kirchen zugehen

Vize-Bürgermeister tritt für den Erhalt von Jugend- und Sozialeinrichtungen ein. CDU bleibe Partner der freien Träger.

Thomas Nickel (CDU) ist in großer Sorge. Der Vize-Bürgermeister, seit 23 Jahren auch Vorsitzender des städtischen Jugendhilfeausschusses, sieht offenbar die soziale Großstadt Neuss in Gefahr. Fest macht der Christdemokrat seine Kritik an der Politik des Rathauses nicht nur an den jüngsten Zuschusskürzungen für die Jugend- und Sozialeinrichtungen, sondern auch am Verhältnis von Stadt und Kirchen, das besser gepflegt werden müsse. In einer jetzt von ihm verbreiteten Presseerklärung fordert Nickel zum Umdenken auf.

Im Ton zwar verbindlich, aber in der Sache ungewohnt scharf formuliert Thomas Nickel. Er halte gerade das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Stadt und den Kirchen weiterhin für besonders wichtig. So gewinne die Stadt mit dem Engagement der Privaten ehrenamtliche Kräfte, die die Stadt selbst nie erreichen könnte: "Das sollte auch die Verwaltungsspitze nicht vergessen." In seinen Augen haben vor allem die christlichen Träger in der Vergangenheit eine große Verantwortung übernommen. Beispielhaft verweist Nickel auf den katholischen Caritasverband und die evangelische Diakonie.

Thomas Nickel nimmt den Abschluss der Haushaltsberatungen zum Anlass, vor einer weiteren Verstaatlichung der Jugend- und Sozialarbeit der Stadtverwaltung zu warnen. Die Jugend- und Sozialeinrichtungen müssen in Zukunft mit 32 000 Euro weniger auskommen. Für Nickel eine "harte Herausforderung" und er stellt fest: "Wir sind am Ende der Fahnenstange angelangt!" Die Jugend- und Sozialeinrichtungen hätten praktisch kein Einsparpotential mehr. "Die vergangenen Jahre haben uns viel abverlangt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tun alles, um den Betrieb aufrechtzuhalten." Aber ohne Geld gehe es einfach nicht.

Die Jugend- und Sozialeinrichtungen leisteten Großartiges für die Menschen in Neuss: "Darauf zu verzichten, wäre ein Wahnsinn." Thomas Nickel macht in dem Papier aus seinem Herzen keine Mördergrube. Die CDU-Ratsfraktion und auch er selbst seien der Verwaltung bei dieser Kürzung "nur höchst widerwillig gefolgt". Immerhin habe keine Einrichtung geschlossen werden müssen: "Das ist ein schwacher Trost, aber es ist einer." Nickel ist offenbar nicht gewillt, weitere Einschnitte im Sozialbereich mitzutragen. Eine moderne Gesellschaft, so erklärt er weiter, benötige ein stabiles Fundament: "Braucht sozialen Frieden, der nicht nur auf Konsum angelegt ist." Letztlich müsse die Stadt den Rahmen für professionelles und privates Engagement bieten.

Der Grund dafür, dass der CDU-Promi Thomas Nickel öffentlich so deutlich vom Rathaus eine Kurskorrektur in der Sozialpolitik fordert, mag aber bereits länger zurückliegen. Nach Vorstellungen der Verwaltungsspitze sollte das kirchlich getragene "Haus der Jugend" am Hamtorwall im kommunalen Café Greyhound am Hafenbecken I aufgehen. Der Versuch scheiterte bereits im Vorjahr. Seither steht der Vorwurf im Raum, das Rathaus verfolge eine Art der Verstaatlichung in der Jugend- und Sozialarbeit. Nickel sieht sich aufgerufen, das gute Verhältnis der CDU zu den freien Trägern zu betonen, "die in der Quirinusstadt zahlreiche soziale Einrichtungen unterhalten". Die CDU werde weiterhin dem Subsidiaritätsprinzip folgen: "Wir wollen private Verbände mit öffentlichen Aufgaben betrauen. Neuss hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht."

(NGZ/rl)