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Neuss: Nichtraucher-Lobby hat Napps Büro im Visier

Neuss : Nichtraucher-Lobby hat Napps Büro im Visier

Bürgermeister Herbert Napp ist Raucher aus Leidenschaft, auch in seinem Zimmer im Rathaus. Das "Aktionszentrum Forum Rauchfrei" will, dass das aufhört.

Wenn der Bürgermeister in seinem Büro arbeitet, dann aromatisiert er gerne die trockene Luft mit etwas Tabaksqualm. Das soll er künftig nicht mehr dürfen, denn die Nichtraucher stellen dem erklärten Genuss-Raucher Napp auch in der Abgeschiedenheit seiner eigenen vier Wände nach. Und sie fahren schweres Geschütz gegen den Verwaltungschef auf.

Nach einer Anfrage beim Landesgesundheitsministerium NRW hält das "Aktionszentrum Forum Rauchfrei", eine bundesweit agierende Einrichtung zum Nichtraucherschutz, nun Schwarz auf Weiß die Bestätigung in Händen, dass der Bürgermeister sein Rathausbüro nicht zum Raucherraum umfunktionieren darf. Johannes Spatz, Arzt in Berlin und Sprecher des Forums, feiert das als Erfolg. "Der Bürgermeister wird sich wie jeder andere an die Spielregeln halten müssen", sagte er, malte sich die Konsequenzen aus und sprach vom "Ende einer Provinzposse".

Angesichts eines derart entschlossenen Gegners fällt Napp aber nicht vor Schreck die "Kippe" aus der Hand. Nein, er zeigte sich "sehr erfreut". Erfreut? "Ich bin immer glücklich, wenn ein Mensch eine Aufgabe gefunden hat, der er sich mit nahezu missonarischem Eifer widmet", erklärt er. Er wird nichts ändern. Aber nicht, weil man in solchem Eifer auch immer ein wenig Spinnerei vermuten könnte, sondern weil die Verantwortlichen des "Forum Rauchfrei" eine falsche Vorstellung von einem Bürgermeister-Büro hätten. "Hier ist keine Wartehalle", stellt er fest.

Tatsächlich wirft das Forum dem Bürgermeister vor, Mitarbeiter und Gäste in seinem Büro gefährlichem Qualm auszusetzen — einfach, weil er da ist, und sie zu ihm müssen. Doch Napp hält dagegen, dass ein "strenger Terminkalender" Überraschungsbesuche fast ausschließt. Und selbst wenn ein Bürger sozusagen hereingeschneit käme, würde er die Zigarette ausmachen. Denn er huldige dem "Gebot der wechselseitigen Rücksichtnahme". Dass ein Raucherzimmer auch dann einen Duft ausströmt, wenn nicht geraucht wird, ist ihm bewusst. Dass dieser als unangenehm wahrgenommen werden kann, auch. Napp: "Aber unangenehme Gerüche sind nicht gesundheitsgefährdend."

Die Kritik des Berliner Forum hatte sich an einem Video entzündet, das Napp rauchend in einem Interview zeigt. Ihr erster Versuch, ihm den Glimmstängel aus der Hand zu winden, scheiterte am Landrat als Kommunalaufsicht. Der beschied dem Forum, der Bürgermeister würde sein "Büro künftig als Raucherraum umfunktionieren" und hielt "die Angelegenheit kommunalaufsichtlich für erledigt". Das darauf eingeschaltete Landesgesundheitsministerium entschied anders.

Napp, so erklärt Spatz, nehme sich wie Altkanzler Helmut Schmidt heraus, sich über den Nichtraucherschutz hinwegzusetzen. Spatz: "Aber auch bei Helmut Schmidt haben wir das kritisiert."

(NGZ/rl/url/top)