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Lebensumstände Illegaler nicht vorstellbar: Nicht mehr zu übersehen

Lebensumstände Illegaler nicht vorstellbar : Nicht mehr zu übersehen

Wie viele Menschen leben illegal unter uns? Experten gehen von einer Million in Deutschland und einigen hundert in Neuss aus. Ihre Lebensumstände macht die Caritas seit Montag vorstellbar. Mit einer Ausstellung.

13,7 Prozent aller Menschen in Neuss sind Ausländer. Das klingt abstrakt. Mehr als 20 000 Menschen in Neuss haben einen ausländischen Pass. Das klingt konkret. Mehrere hundert davon, so schätzt Frank Derichs vom Neusser Sozialamt, halten sich sicherlich illegal in der Stadt auf. Wie klingt das?

Nach "einem Phänomen, das auch quantitativ nicht mehr übersehen werden darf": betonte am Mittwoch Kai Diekelmann, Abteilungs-Leiter Migration beim Kölner Diözesan-Caritasverband, der zum Caritashaus International an der Salzstraße gekommen war um dort eine Ausstellung zu eröffnen, die diesen Menschen ein Gesicht gibt. "Leben in der Illegalität" heißt die aus Berlin ausgeliehene Präsentation, die Menschen in das Licht der Öffentlichkeit bringen will, die aus Angst vor Abschiebung lieber im Dunkeln und "unsichtbar" bleiben würden.

Noch bis zum 15. Juni ist die Ausstellung täglich von 11 bis 17 Uhr im Haus Salzstraße 55 zu sehen. Kostenlos. Und auf Nachfrage geben Mitarbeiter des Caritas-Migrationsdienstes im gleichen Haus gerne Auskunft. Illegale in Deutschland. Experten schätzen, dass sich ihre Zahl auf eine Millionen belaufen kann. Eine Zahl, die Diekelmann für plausibel hält: "Überlegen Sie einmal", forderte er die Hand voll Interessierte bei der Ausstellungseröffnung auf, "wo in ihrem Bekanntenkreis jemand häusliche Pflege braucht und wo das Menschen aus Polen, Rumänien oder Bulgarien tun."

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Diesen Menschen zumindest die sozialen Mindestrechte zu verschaffen sei eine wesentliche Aufgabe, eines Forums "Leben in der Illegalität", das sich in der katholischen Kirche gebildet hat. Wie überhaupt der Kirche zu verdanken sei, dass das Thema Illegalität aus der Tabuzone herausgeholt wurde. Öffentlichkeit für ein Thema schaffen, das die Deutschen nach Ansicht von Caritasdirektor Norbert Kallen eigentlich nicht bewegt, hat sich auch die Caritas Neuss zur Aufgabe gemacht.

Zum Beispiel mit dieser Ausstellung. Daneben versucht der Verband zu beraten, zu vermitteln und - in humanitären Fragen - zu helfen. Etwa wenn Illegale medizinische Hilfe benötigen oder wenn das Recht der Kinder illegal in Deutschland lebender Familien auf Bildung und Erziehung durch Schule und Kindergarten durchzusetzen ist. Diese Hilfestellungen, so betont Caritas-Sozialarbeiter José Rodrigues, stelle keinen Beitrag zur Stabilisierung von Illegalität in der Gesellschaft dar. Den Helfern aber setzt das Ausländerrecht enge Grenzen.

"Wir treffen in unseren Einrichtungen immer wieder wieder auf Menschen, die wir nicht kennen, von denen wir nichts wissen", sagt Derichs, der sich noch imemr von den Schicksalen erschüttern lässt, auf die er dann einen Blick werfen muss. "Die fragen wir dann, wo sie herkommen und ob wir helfen können." Doch so behutsam könne man nur vorgehen, "wenn keine andere Ordnungsmacht dabei, ist." Dann bliebe nur Abschiebung. (-nau)

(NGZ)