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Erfolgreiche Einzelfallhilfe durch neues Streetworker-Projekt: "Nicht gerufen, aber gebraucht"

Erfolgreiche Einzelfallhilfe durch neues Streetworker-Projekt : "Nicht gerufen, aber gebraucht"

Von Thilo Zimmermann

Von Thilo Zimmermann

Wenn die Sozialarbeiter ihre Tour vom Bahnhof über Krefelder-, Hamtor- und Erftstraße zum Stadtgarten machen, treffen sie die unterschiedlichsten "Kunden": So genannte tagesobdachlose Kinder sind dabei, jugendliche Schulverweigerer, junge Erwachsene, die ihrer Drogensucht mit einem Methadon-Programm Herr zu werden versuchen, gewaltbereite Männer, die bereits aus etlichen Heimen herausgeworfen worden sind. Ihnen allen dient das neue Projekt "Streetlife", an dem sich das Diakonische Werk beteiligt. Die Diakonie hat ihre Jahresbilanz vorgelegt: Auch Mutter-Kind-Gruppen spielen bei dem Verband eine wichtige Rolle. NGZ-Foto: A. Woitschützke

"Die Türen der eigenen Einrichtung zu öffnen, reicht nicht immer. Praktizierte Nächstenliebe bedeutet mitunter, dorthin zu gehen, wo man vielleicht nicht gerufen, aber gebraucht wird", begründet der Wohlfahrtsverband der evangelischen Kirchengemeinden die Initiative in seinem Jahresbericht. Vorstandsvorsitzender Hermann Gröhe MdB sowie die Geschäftsführer Achim May und Dagmar Schwedler ziehen eine durchaus positive Bilanz im 50. Jahr des Neusser Diakonie-Bestehens.

Ein gutes Beispiel ist "Streetlife". Zwei Streetworker sind in der Innenstadt für Menschen da, "die keinen Platz in unserer Mitte finden". Die Einzelfallhilfe ist erfolgreich. So konnte einem Mann ein Job in der hauseigenen Firma "Neue Organisation für Arbeitshilfen" (Noah) vermittelt und ein anderer vor dem Vollzug der Haftstrafe bewahrt werden. Ein Mädchen, das aus einem Heim ausgerissen war, lebt nun im Rahmen einer akzeptableren Jugendhilfe-Maßnahme. Doch damit nicht genug: Der Jahresbericht der Diakonie legt ein beredtes Zeugnis davon ab, wie sehr der Verband fester Bestandteil des sozialen Netzes an Rhein und Erft geworden ist.

Die Palette reicht von der Psychiatrie mit Bodelschwingh- und Wichern-Haus über die Familien- und Jugendhilfe bis zum Alten- und Pflegeheim "Fliedner-Haus", in dem 72 Senioren leben. Ein ambulanter Hospiz-Dienst schließt den Kreis. 23 schwerstkranke Männer und Frauen wurden 2002 daheim bis zum Tod begleitet; 820 Stunden waren ehrenamtliche Helfer dabei im Einsatz. "Sterbende und ihre Angehörige zu begleiten und ihnen nahe zu sein, ist eine der herausragenden Aufgaben der Christen gerade heute", so das 28-köpfige Team. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen sind besonders Angebote der Diakonie wie die Schuldner- und Insolvenzberatung gefragt. "Die Zahl der Ratsuchenden nimmt von Jahr zu Jahr zu.

Hervorzuheben ist jedoch die Zunahme der Anfragen von Selbständigen mit laufendem, gescheitertem oder in Auflösung befindlichem Gewerbe", so die Fachleute. In der Statistik hat sich die Angabe "Gewerbe" als Ursache der Ver- und Überschuldung im vorigen Jahr fast verdoppelt. Insgesamt stand das Diakonische Werk 2002 genau 316 Haushalten mit 663 Menschen zur Seite. Häufigste Ursachen für den Tritt in die Schuldenfalle waren die Bereiche Arbeitslosigkeit und Gewerbe (jeweils 23 Prozent) sowie Konsum (17 Prozent) und Scheidung (15 Prozent).

Das Engagement der Diakonie reicht darüber hinaus von der Gemeinwesenarbeit im Rheinparkcenter bis zur Mutter-Kind-Gruppe am Berghäuschensweg. Ein Jubiläum im Jubiläumsjahr feiert die Tageseinrichtung für Kinder mit besonderem Erziehungsbedarf in Weckhoven, die vor 25 Jahren als Lern-Spiel-Gruppe aus der Taufe gehoben worden ist. Dank großzügiger Spenden wurde den Jungen und Mädchen auch 2002 ein anspruchsvolles, "PISA-gerechtes" Freizeitprogramm geboten: Vielseitige Ausstellungen gehörten ebenso dazu wie Projekte, Ausflüge und ein Aufenthalt auf Schloss Westhove an der Nordsee. Das erste Schulhalbjahr 2002/2003 konnte sich mit einem Notenschnitt von 2,2 bis 3,8 sehen lassen. Eine herausragende Leistung erzielte ein lernbehindertes Kind, das die Probezeit in der Hauptschule bestand und die Chance bekommt, dort seine Bildungslaufbahn fortzusetzen.

(NGZ)