Neuss: NGZ zeigt Neuss aus der Vogelperspektive

Neuss : NGZ zeigt Neuss aus der Vogelperspektive

Jürgen Brefort ist Luftbildfotograf. Er liefert die Aufnahmen für die Stadtteilserie, die jeden Dienstag in der NGZ erscheint. Ab sofort können die Fotos aus der Serie per Internet oder telefonisch im RP-Shop bestellt werden.

Eigentlich wollte der junge Jürgen Brefort Zahntechniker werden. Doch weil die Ausbildungsplätze rar waren, nahm er zähneknirschend die Stelle in einer Drogerie an. Spaß machte ihm das nicht. Einziger Lichtblick: Im Fotolabor durfte der junge Mann mitarbeiten und Bilder entwickeln. Und Fotografie war schon damals seine Leidenschaft. Kaum war die Ausbildung überstanden, meldete er sich freiwillig zur Bundeswehr. "Wenn man das machte, durfte man sich aussuchen, wo man arbeitet", erinnert sich der heute 68-Jährige. Und so hatte er bald wieder eine Kamera in der Hand, fotografierte am Boden die Soldaten, das Gelände und hohen Besuch – und machte seine ersten Luftbildaufnahmen im Hubschrauber und in einer DO27 – einem Motorflugzeug.

Als selbstständiger Fotograf war Jürgen Brefort viele Jahre in der Werbung tätig, lichtete Architektur und Industrie ab. "Damals gab es immer was zu tun", sagt er. Zu der Zeit war eines seiner meist fotografierten Objekte allerdings Bier. "Ich habe für die Hannen-Brauerei Produktaufnahmen von Bier gemacht. Da musste ja alles perfekt sein: Das Produkt musste schön satt und bierig aussehen, die Krone perfekt stehen und nicht schon eingefallen sein. Damals habe ich literweise Bier verbraucht, um ein tolles Ergebnis zu bekommen", erinnert er sich und lacht dabei.

Doch diese Unwägbarkeiten sind nichts im Vergleich zu den Luftbildaufnahmen, die er noch heute macht. Rund ein dutzend Mal geht er im Jahr in die Luft, und dass, obwohl er gar nicht so flugbegeistert ist: "Ich brauche vorher immer eine Reisetablette und ein Brötchen, damit der Magen was zu tun hat", verrät er. Zurzeit fotografiert er für die Stadtteilserie der NGZ die Stadt Neuss und ihre Stadtteile von oben. Planbar ist diese Arbeit nicht. "Man kann bei mir nicht wie bei einem Fotografen, der am Boden unterwegs ist, ein Bild an einem beliebigen Tag bestellen. Das ist unmöglich", erklärt der Krefelder.

Wenn er den Auftrag für die Aufnahmen hat, muss er erst einmal das passende Wetter abwarten. Dazu verfolgt er den Wetterbericht. "Doch nur, weil am Abend schönes Wetter für den kommenden Tag angesagt ist, heißt das nicht, dass es klappt." Denn für Luftbildaufnahmen muss der Himmel wolkenfrei, klar und satt blau sein. "Hellblau genügt da nicht. Selbst kleine Wolken werfen Schatten, und das sieht auf den Bildern dann nicht gut aus", sagt er.

Hat man den perfekten Tag für Luftbildaufnahmen, muss alles ganz schnell gehen – und das Glück muss Brefort hold sein. "Dann telefoniere ich herum und suche einen Piloten, der Zeit hat. Wenn ich den gefunden habe, heißt das noch nicht, dass wir auch ein Flugzeug bekommen." Ist das Wetter schön, wollen viele Flugschüler in die Luft – und dann noch einen Flieger zu bekommen, ist Glückssache.

Wie viele Bilder Brefort bei einem Flug schießen kann, hängt davon ab, wo er unterwegs ist. "Bei den kleineren Stadtteilen um die Neusser Innenstadt herum ist das kein Problem. Da kann man in etwa zwei Stunden auch mal sieben Stadtteile schaffen. In dichter bebautem Raum ist das schwieriger." Zwei Faktoren sind ausschlaggebend: Zum einen müssen Brefort und der Pilot die Stadtteile erst einmal finden. Im Neusser Süden seien die Stadtteilgrenzen leicht zu erkennen – viele Gemeinden sind von Grün umringt – doch im Neusser Norden ist das eine Herausforderung.

"Zum anderen ist für den Luftraum in der Neusser Stadt die Flugaufsicht vom Flughafen Düsseldorf zuständig. Bei denen muss man sich anmelden und abwarten, dass man in den Luftraum darf." Ist man drin, weiß man nicht genau, wie viel Zeit man hat. Brefort erklärt: "In diesem Bereich herrscht viel mehr Verkehr. Der Pilot muss also nicht nur den Stadtteil finden, er muss auch nach anderen Flugzeugen Ausschau halten. Wenn eines im Anflug ist, kann einem der zuständige Fluglotse mitteilen, dass man das Gebiet wieder verlassen muss." So kommt dann vielleicht nur ein Foto zustande, und der Fotograf muss an einem anderen Tag weitermachen.

(NGZ)