Neuss: NGZ-Telefonaktion: Windkraft spaltet die Bürgerschaft

Neuss : NGZ-Telefonaktion: Windkraft spaltet die Bürgerschaft

Hoisten könnte nach Überzeugung von Michael Klinkicht, "der erste Stadtteil werden, der komplett mit Strom aus regenerativer Energie beliefert wird." Doch diese Aussicht finden längst nicht alle in Neuss so attraktiv wie der Grünen-Chef, der von einem "starken Signal" zur Energiewende spricht. Denn der Preis, der dafür zu zahlen sind, wären zwei Windkraftanlagen südlich von Hoisten.

Mit einer Höhe von gut 200 Metern (Rotorspitze) wären diese Anlagen höher als der Kölner Dom, bemerken Herbert Hilgers (Rosellen) aber auch Richard Helten (Hoisten). Der spricht von einem Wahnsinn, derart dimensionierte Anlagen in einem Ballungsraum zu errichten und betont, dass bis heute nirgendwo in NRW so ein großes Windrad errichtet worden sei. Ihnen pflichten Gisela und Wolfgang Ortwein aus Speck zu, die Windräder auch wegen der großen Investitionssumme zu den Industrieanlagen zählen und von einer Industrialisierung der freien Landschaft sprechen.

Zur Kritik an der Höhe der in Hoisten geplanten Anlagen kommt die Ablehnung des Standortes. Das Bodendenkmal Rheinbruchkante an der Straße Gohrerberg, in unmittelbarer Nachbarschaft des anvisierten Standortes für zwei Windräder, sei unbedingt zu schützen, betonen Berndward Ilse, für den eine Konzentrationszone zur Windenergieerzeugung in Allerheiligen aber Sinn macht, und Olaf Hedden, der als Anwohner auch gesundheitliche Risiken fürchtet.

Grundsätzlicher setzt sich Josef Minke mit der Windkraft auseinander, die er persönlich ablehnt. Strom aus Wind sei nicht ständig verfügbar, sagt der 78-Jährige, der hinter dem Wind-Boom Geschäftemacherei vermutet: "Ich sehe nicht, dass auf Dauer der Strompreis sinkt". Karin-Elisabeth Zölzer geht noch weiter und attackiert das Angebot der Stadtwerke an alle Bürger, sich am Bau und damit am Betrieb der Räder zu beteiligen, als hinterhältig. So würde die Zustimmung der Bürger eingekauft.

Wilhelm Fister fürchtet, dass der forcierte Ausbau der Windenergie am Ende gegenteilige Effekte hat: Wenn das so weiter gehe, werde am Ende mehr regenerativer Strom produziert, als abgenommen werden kann. "Ich würde Windräder im Binnenland nicht bauen."

Klaren Gegnern aller Neusser Windparkpläne wie Dagmar Rebmann, Hans-Ulrich Nowak oder Otto Frenger stehen auch Befürworter wie Marlene Wolters ("Wir haben lange genug gezögert"), Günter Schneiders ("Stromerzeugung ohne eine Umweltbelastung") oder Leonard Kubatzki gegenüber, der bei sechs Windrädern die Obergrenze sieht. "Die Federführung sollten unsere Stadtwerke haben und sich diese nicht von externen Firmen aus der Hand nehmen lassen."

((-nau) )
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