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Neuss: NGZ-Leser auf der "Rakete"

Neuss : NGZ-Leser auf der "Rakete"

Über die Entstehung und den derzeitigen Stand der Raketenstation Hombroich informierte eine von der NGZ organisierte Exklusiv-Führung. Sie gehört zum Programm einer vierteiligen Ferienaktion.

Ute Dreckmann ging auf Nummer sicher. Jeder Teilnehmer hatte nicht nur einen Umschlag mit Lageplan und Erklärungen bekommen, sondern wurde vor der großen Schautafel am Tor auch noch mal aufgeklärt, wie die Route der Führung verlaufen würde. "Falls uns jemand verliert", sagt sie lächelnd.

Ganz so unwahrscheinlich ist das schließlich nicht, wenn man zum ersten Mal die Raketenstation besucht, auf kleinen Pättkes durchs Gebüsch und plötzlich hinter Erdwällen verschwindenden Wegen zu den Gebäuden wandert, deren Größe sich auf den ersten Blick gar nicht ermessen lässt.

Die exklusive Führung über die Raketenstation in Holzheim, dem anderen Teil des Kunst- und Kulturraums Hombroich mit der Museumsinsel, hatte die NGZ im Rahmen ihrer Ferienaktion organisiert und damit offensichtlich einen Volltreffer gelandet. Das Interesse war riesig — nicht immer, weil man damit etwas Neues kennenlernen wollte, sondern weil es eine wunderbare Gelegenheit war, mehr über einen Ort zu erfahren, der auf der Route der Fahrradtour oder des Spaziergangs liegt.

"Hintergründe eben", wie Barbara und Harry Winkel es sagten, die mit ihren Rädern kamen und in der Vergangenheit schon öfter dort waren, aber jetzt eben auch erfuhren, was sie da alles immer sehen. Der elfjährige Moritz war zwar altersmäßig ein Ausreißer in der 35-köpfigen Gruppe, aber seine Motivation unterschied sich nicht von der der Älteren: Auch er wollte unbedingt wissen, was sich hinter dem Begriff "Raketenstation" verbirgt.

Ute Dreckmann, bei der Stiftung Insel Hombroich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig und als Kunstwissenschaftlerin, die auch Architektur studiert hat, geradezu prädestiniert, über die "Rakete" zu führen, brachte ihren Zuhörern die einzelnen Stationen unkompliziert und informativ nahe. "Der Letzte macht die Tür zu" hieß es etwa nach dem Besuch des kleinen Wachhäuschens am Tor — und wurde auch prompt beherzigt.

Warum das Siza-Haus eine Mauer ohne Funktion hat; dass der Ausstellungsraum Field Institute eigentlich aus zwei Übersee-Containern besteht, die hintereinander in einem Erdwall stecken; dass das offene Dreieck im Dach des Hauses für Musiker von Architekt Raimund Abraham auch ein Verbeugung vor dem Lyriker Thomas Kling ist (es weist auf seinen "Dichterturm", dem ehemaligen Wachturm hin) — all das erschließt sich nicht allein durchs Sehen, sondern muss erklärt werden.

Und wenn dann noch wie an diesem Tag hinter den Scheiben der Atelierfenster in einem einstigen Hangar der Künstler bei der Arbeit zu sehen ist, wurde nicht nur mit Worten der Beweis geliefert, dass auf der Raketenstation ein reges Leben herrscht. Entsprechend reichlichen Gesprächsstoff gab es dann auch beim abschließenden Kaffee im Kloster.

(NGZ)