Neuss: Neutags Karriere hat im TaS begonnen

Neuss : Neutags Karriere hat im TaS begonnen

Seit genau zehn Jahren steht Jens Neutag als Solo-Kabarettist auf der Bühne, spielt derzeit sein fünftes Programm.

Wenn Jens Neutag ein neues Bühnenprogramm erarbeitet, geht er das ganz zielstrebig an: "Hinsetzen, schreiben, Text lernen, proben", sagt er ganz pragmatisch und ergänzt: "Da bin wohl doch sehr theatergeprägt." Als Schauspieler hat er sich anfangs ausbilden lassen, in zahlreichen Unterrichtsstunden an der Alten Post und bei privaten Lehrern, bevor er sich dann doch entschloss, das Kabarett endgültig zu seiner künstlerischen Heimat zu machen. Anfangs fast ausschließlich im Ensemble mit Kollegen, seit genau zehn Jahren steht er mittlerweile als Solist auf der Bühne.

Und wechselt dabei so oft die Rollen, dass auch klar ist: Der Schauspielunterricht hat was gebracht. Das fünfte Soloprogramm "schön scharf", mit dem er zurzeit wieder unterwegs ist, läuft seit einem Jahr, und er rechnet damit, an den Erfolg des vierten ("Streik ist geil!) anzuknüpfen: "Das ging über drei Jahre — natürlich immer aktualisiert. Die beiden ersten liefen kürzer."

Basis seiner Laufbahn ist neben der Alten Post vor allem das Theater am Schlachthof. Vom von ihm mitgegründeten "Kabarett ohne Ulf" mit Teilnehmern eines Kurses von Martin Maier-Bode an der Alten Post ging es direkt ins TaS. Neutag gehörte von Beginn zum Trägerverein der freien Bühne, hat dort als Schauspieler in verschiedenen Produktionen mitgewirkt und gleichzeitig Kabarett gemacht. Nach zwei Jahren Festanstellung an der Landesbühne Niedersachsen-Nord in Wilhelmshaven und am Kinder- und Jugendtheater des Theaters Dortmund stand er am Scheideweg: "Ich war 30, und mir war klar: Wenn ich was anderes machen will, dann jetzt." Er fand sich damals "reif für ein Soloprogramm", und so entstand das erste namens "Warmbadetag". Was daraus werden würde, hat ihn nicht weiter umgetrieben: "Ich habe erst mal nur gemacht."

Gelohnt hat es sich, denn der Erfolg wuchs stetig. Heute kommt der 39-Jährige auf über 150 Auftritte im Jahr — davon 100 als Solist, die anderen mit Kollegen wie Martin Maier-Bode, mit dem er überaus erfolgreich etwa den "Doppelpass" auf der Bühne zur Fußball-WM und -EM gespielt hat. "Da waren wir so viel unterwegs, dass wir manchmal wirklich nicht genau wussten, wo wir gerade sind."

Diesen Stress möchte Neutag heute nicht mehr haben. Schließlich gibt es da seine junge Familie mit dem 14 Monate alten Kind, und sowieso sind seine Wege zu den Bühnen der Republik länger geworden. Denn Neutag ist vor einem halben Jahr mit seiner Familie von Düsseldorf nach Hamburg gezogen, die Hochburg für Kabarettisten aber liegt in Süddeutschland. "Im Norden ist es eher dünn, und im Osten bin ich nur ganz selten." Ein Trost: Das Rheinland ist und bleibt für ihn ein gutes Pflaster.

Wenn ihm jemand vor zehn Jahren diese Entwicklung vorausgesagt hätte, wäre er damals mehr als zufrieden gewesen, sagt er lachend. Aber wie das so ist: Man bleibt nicht stehen, und so hat er durchaus noch Wünsche: "Bei der Lach- und Schießgesellschaft in München auf der Bühne stehen zum Beispiel, denn deren Geschichte hat mich zum Kabarett gebracht. Oder bei den ,Mitternachtsspitzen' in Köln — das wäre auch nicht schlecht."

(NGZ/rl)
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