Camping-Mord in Niederkrüchten: Neusserin soll Freund getötet haben

Camping-Mord in Niederkrüchten: Neusserin soll Freund getötet haben

Im Januar wurde ein Viersener auf einem Campingplatz tot aufgefunden. Wie die Polizei gestern bekannt gab, soll seine Lebensgefährtin aus Neuss ihn gemeinsam mit ihrem Sohn und zwei Mönchengladbachern umgebracht haben.

Der Mord auf dem Campingplatz in Niederkrüchten ist offenbar geklärt. Vier Menschen sollen ihn gemeinsam am 18. Januar dieses Jahres begangen haben. Darunter die Lebensgefährtin des Opfers - eine 52 Jahre alte Neusserin - und ihr 20 Jahre alter Sohn. Unterstützung sollen sich die beiden von zwei Männern aus Mönchengladbach (beide 23) geholt haben.

Die Geschichte, die dahinter steckt, "hätte kein Drehbuchautor erfinden können", sagte Ingo Thiel, Leiter der Mordkommission, gestern, der durch die Aufklärung des Mordes am zehn Jahre alten Mirco (2010) bundesweiten Bekanntheitsgrad erlangte.

Rückblick: Am 18. Januar, dem Tag, an dem Sturm Frederike über das Land fegte, fand die Polizei das Opfer tot in seinem Wohnwagen auf dem Campingforst am Laarer See in Niederkrüchten. Der 54-Jährige hatte zahlreiche Verletzungen. Die Tür zum Fahrzeug war aufgebrochen, einige Gegenstände daraus fehlten. Doch an einen "Raubmord" mochten Thiel und sein Team von Anfang an nicht glauben.

Die Mordkommission, die zeitweise bis zu 40 Ermittler und Wissenschaftler umfasste, begann mit der Spurensuche, bei der Taucher, Hubschrauber, Spürhunde und ein Experte des LKA Hessen für Hautschuppen zum Einsatz kamen. Die Ermittler trafen sich mit Profilern zu Fallkonferenzen, ärgerten sich über Provider, die Handydaten trotz eines richterlichen Beschlusses nicht rausrücken wollten, und führten stundenlange Vernehmungen durch.

Heraus kam: Die Lebensgefährtin aus Neuss fühlte sich schon lange nicht mehr wohl in der Beziehung mit dem 54-Jährigen, der "speziell und besitzergreifend" gewesen sein soll. Ihr Sohn bot Hilfe an. Beide sollen kurz darauf den Plan gefasst haben, den unliebsamen Lebensgefährten aus dem Weg zu räumen. Und sie sollen dazu zwei Auftragsmörder angeheuert haben.

Ein Haftrichter schickte bereits Mitte März Mutter und Sohn wegen gemeinschaftlichen Mordes in Untersuchtungshaft. Am vergangenen Mittwochmorgen hatte die Polizei in Mönchengladbach dann die zwei Männer festgenommen. Die Ermittler sind davon überzeugt, dass die 23-Jährigen gemeinsam mit den Neussern den Lebensgefährten ermordet haben.

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Die Frau, die seit knapp 20 Jahren in der Neusser Nordstadt wohnt und von Nachbarn auf Nachfrage unserer Redaktion als "unauffällig" beschrieben wird, und der Viersener führten seit etwa einem Jahr eine Beziehung. Im Herbst vergangenen Jahres pachteten sie eine Parzelle auf dem Campingforst am Laarer See. Ihre Wohnungen in Neuss und Viersen behielten beide - der Wohnwagen diente ihnen dazu, ihre Beziehung ausleben zu können, wie es Hauptkommissar Ingo Thiel gestern formulierte.

In der Beziehung fühlte sich die Neusserin, die einen Aushilfsjob hatte, offenbar stark eingeengt. Auch körperliche Auseinandersetzungen habe es gegeben. "Letztlich sah sie für sich keinen anderen Ausweg mehr, sich aus dieser Beziehung zu befreien", so Thiel, als den Tod ihres Lebensgefährten zu planen. Nach den Erkenntnissen der Ermittler verging etwa eine Woche zwischen Planung und Ausführung.

Am Abend des 18. Januar alarmierte die Neusserin über Notruf die Polizei: Sie habe ihren Lebensgefährten tot im Wohnwagen gefunden. Thiel war um 23.45 Uhr dort. "Das sah aus wie eine Inszenierung, nicht wie ein klassischer Raubüberfall", sagt er.

Damit begann die akribische Arbeit der Ermittler, in die neben der 20-köpfigen Mordkommission auch zahlreiche Fachleute wie Wissenschaftler eingebunden waren. Mit Unterstützung von Diensthundeführern und Polizeitauchern kamen die Ermittler weiter. Leichenspürhund "Miss Marple", trainiert darauf, menschliches Blut zu erschnüffeln, fand im Wäldchen neben der Parzelle des Opfers einen Pflasterstein.

Harald Schneider, führender Experte für DNA-Analyse beim Landeskriminalamt in Wiesbaden, konnte an dem Stein Hautschuppen des Opfers und der Neusserin nachweisen. Ein Polizeitaucher förderte im Laarer See das Handy des Vierseners zutage. Dieses habe einen Kontakt enthalten, den die Lebensgefährtin fingiert habe, so Thiel. Mit Hilfe von Profilern entwickelten die Ermittler ein Bewegungsbild der Täter, ehe es zu den Festnahmen von Mutter und Sohn kam.

Die beiden jungen Männer aus Mönchengladbach sind nach Angaben der Polizei bislang nicht auffällig geworden. Beide hatten nach dem Abitur eine Ausbildung begonnen - der eine als Einzelhandelskaufmann, der andere als Maurer, wie der 20-jährige Sohn der Neusserin auch. Beide seien zur Tat angestiftet worden und hätten "das Angebot angenommen, ein bisschen Geld zu bekommen". Dabei sei es nicht nur darum gegangen, dem Mann einen Denkzettel zu verpassen. "Der sollte nicht mehr aufstehen", so Thiel. "Es war klar, dass am Ende der Tod steht."

(NGZ)
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