Neusserin holt ihr Abitur nach - Wie sie von Bafög unterstützt wird

Neuss: Abitur nachholen mit Kind : Mit Baby und Bafög zum Abitur

Miriam Honnef drückt wieder die Schulbank. An manchen Tagen bringt sie sogar ihre sechs Monate alte Tochter Liah mit ins Neusser Spee-Kolleg. Dort ist sie seit August 2018.

Ihr Ziel: Das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg zu schaffen. Um dann ihren langgehegten Wunsch verwirklichen und Tiermedizin studieren zu können. Nur mit Hilfe des elternunabhängigen Schüler-Bafög sei dies möglich, sagt die 25-Jährige. Sie erhalte den Höchstsatz und zudem Unterstützung vom Jobcenter für Wohnung, Tagesmutter und Lebensunterhalt.

„Fast alle Studierende am Spee-Kolleg erhalten elternunabhängigen Bafög“, erklärt Daniela Parpart. Sie war selber am Spee-Kolleg – die Schüler werden als Studierende bezeichnet – und arbeitet dort als Lehrerin seit 2016. Das Abitur tagsüber auf dem zweiten Bildungsweg nachzumachen, wäre ohne das Schüler-Bafög nicht möglich, so Parpart.

Bereits bei der Anmeldung am Spee-Kolleg sei sie durch Schulleiter Norbert Keßler über die Bafög-Möglichkeiten informiert worden, erzählt  Honnef. „Auch die Anträge habe ich direkt erhalten. Und habe gleich erfahren, dass ich den Antrag jährlich neu stellen muss – am besten gleich im Juli.“ Zwar seien manche Fragen etwas unverständlich gewesen, doch ihre Mutter habe beim Ausfüllen geholfen. Dann verlief alles unkompliziert. Mitarbeiter im Amt für Ausbildungsförderung des Rhein-Kreises Neuss haben direkt bei Abgabe ihre Anträge überprüft. „Nachreichen musste ich nichts.“

Miriam Honnef, gebürtig aus Bergheim, hatte zunächst nach dem Realschulabschluss eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe absolviert. „Doch mir war klar, dass ich in dem Beruf nicht bleiben wollte“, so Honnef. Schon nach der Realschule hatte sie lieber im tiermedizinischen Bereich arbeiten wollen - mit Schwerpunkt Pferde. „Ich hatte früher zwei Pferde. Eins wurde sehr krank, hatte Koliken“, erzählt sie. Als es operiert werden musste aufgrund einer Darmverdrehung, hatte sie den Wunsch: „Ich würde meinen Tieren gerne selbst helfen können.“

Doch die Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten scheiterte daran, dass sie seinerzeit keinen Führerschein besaß. „Daher machte ich erst die Ausbildung in Bergheim.“ Mittlerweile wohnt sie in Kaarst – in einer Wohnung direkt über jener ihrer Mutter. Diese unterstützt Miriam Honnef bei der Betreuung des Babys. Aufgrund der Geburt ihrer Tochter hat sie das erste Semester wiederholt, ist daher jetzt im zweiten. „In meiner Klasse bin ich die einzige mit Baby.“ Vier weitere Mütter gebe es am Spee-Kolleg, so Parpart. Alle anderen Studierenden seien kinderlos. Es sei schon viel Selbstdisziplin nötig als Alleinerziehende mit Baby, die Schulanforderungen zu schaffen, gibt Honnef zu. „Denn ich muss ja auch lernen – vor allem, wenn die Klausuren anstehen.“ Doch mit Hilfe der Tagespflege und ihrer Mutter funktioniere das ganz gut. Und sogar die kleine Tochter Liah macht mit. Honnef: „Seit der ersten Woche schläft sie durch.“

(bb)
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