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Neuss: Neusserin entging Boston-Bomben

Neuss : Neusserin entging Boston-Bomben

Vielleicht rettete das schöne Wetter Miriam Christof und ihre Familie. Kurzfristig hatte sich die Grefratherin am Montag entschieden, doch keinen Ausflug zum Boston-Marathon zu machen und sich – wie in Jahren zuvor – den Zieleinlauf anzusehen.

Vielleicht rettete das schöne Wetter Miriam Christof und ihre Familie. Kurzfristig hatte sich die Grefratherin am Montag entschieden, doch keinen Ausflug zum Boston-Marathon zu machen und sich — wie in Jahren zuvor — den Zieleinlauf anzusehen.

Sie gingen ins Schwimmbad. Von dem Anschlag, den beiden Bomben, den Toten und Verletzten erfuhr die Familie deshalb erst, als sie auf dem Nachhauseweg war und plötzlich ihr lokaler Radiosender die Sendung für eine Sondermeldung unterbrach. "Wir wären in der Nähe gewesen": Das war danach einer ihrer ersten Gedanken.

Die Nachricht von den Anschlägen beim Boston-Marathon verbreitete sich auch in Neuss schnell. "Ein schreckliches Ereignis", sagte Mario Meyen, Vorsitzender der TG Neuss und selbst marathonerfahren. Ihn schockt die Heimtücke dieses Anschlags, dessen Urheber die Bomben dort zündeten, wo sie die meisten Läufer und Zuschauer vermuten konnten. In der Laufsportgruppe der TG machte die Nachricht genauso die Runde. Sonntag beenden sie ihr zwölfwöchiges Training, das sie fit machen soll für den Düsseldorf-Marathon am 28. April, für den sie gemeldet sind. Er glaube aber nicht, so Trainer Hans-Peter Heinen, dass die TGler mit einem "mulmigen Gefühl" antreten.

Unter den Startern in Boston waren auch 247 Deutsche und unter diesen ein 55-jähriger Korschenbroicher als einziger Läufer aus dem Rhein-Kreis. Er brach den Lauf zwei Kilometer vor dem Ziel ab — zunächst enttäuscht, aber am Ende glücklich. Und glücklich war auch seine Lebensgefährtin, als der Läufer — aufgehalten durch das Chaos nach den Detonationen — endlich am verabredeten Treffpunkt eintraf. Unverletzt, wie sofort Verwandten in der Heimat mitgeteilt wurde.

Daheim angekommen, griff Miriam Christof ebenfalls sofort zum Hörer, um ihre Eltern in Grefrath zu beruhigen. Und in der Tat hatte sich Mutter Monika Crefeld schon Gedanken gemacht: "Die Kinder haben ja Ferien, da hätte es gut sein können, dass sie da waren."

Für die Bostoner ist ihr Marathon in der Tat ein großes Ereignis. "Ein Fest der Hoffnung, der Motivation und der Hingabe", wie Christof in den vier Jahren lernte, die sie schon in Boston lebt. Denn viele der 27 000 Starter, die nach 13,1 Meilen beinahe an ihrem Haus vorbeikamen, liefen für einen guten Zweck. Unter ihnen und den Zuschauern wussten Christof auch Nachbarn und Freunde, doch dank Facebook klärte sich schnell, dass alle unverletzt geblieben waren.

Ihren Töchtern konnte sie nicht erklären, was Terror heißt und was in Boston passierte. Aber sie sagte, was viele Amerikaner mit ihrer Haltung ausdrücken: "Schaut nicht auf die Katastrophe. Schaut auf die Menschen, die helfen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Boston-Marathon: 78-Jähriger stürzt und schafft es ins Ziel

(NGZ/rl)