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Neusser Woche: Geht Politik für Bürger von Bürgern?

Neusser Woche : Der Hilferuf aus Grimlinghausen

In Grimlinghausen rufen Bürger nach Politikern, die ihnen zuhören. Ein Bezirksausschuss wird gefordert. Das sieht vor allem die CDU kritisch. Doch es gibt Hoffnung. Die Christdemokraten denken heute in ihrer „Ideenfabrik“ nach, wie „Politik für Bürger von Bürgern“ gehen könnte.

War’s Zufall? Wenn nicht, dann ist da Wortführern aus Grimlinghausen etwas geglückt, was der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei ihren uninspirierten WM-Auftritten in Russland nicht gelingen wollte: Der Pass aus der Tiefe des (politischen) Raumes in den Rücken der (parteipolitischen) Verteidigung. Angeführt von den Freunden der Heimat machten Bürger ihrem Unmut Luft. Sie fühlen sich und ihre Belange von den gewählten Politikern im Kreistag und Stadtrat nicht gut vertreten, sie fordern einen Bezirksausschuss wie es ihn in Uedesheim, Norf oder Rosellen in der Nachbarschaft längst gibt. Es war ein Hilferuf der Bürgerschaft.

Der Hilferuf war perfekt platziert. Im Sport wird in einem solchen Fall gern vom guten Timing gesprochen. Denn am Samstag kann die CDU beweisen, dass sie nicht nur über Bürgernähe spricht, sondern den Worten auch Taten folgen lässt. Es ist ihr neuer Vorsitzender Jürgen Brautmeier, der für den Grundsatz eintritt, dass Demokratie von unten wächst und die Bürger wieder näher an die Politik herangeführt werden müssen. Heute kann er an den Stellschrauben drehen. Er leitet bei der „Ideenfabrik“, ein öffentlicher Workshop, den Arbeitskreis „Politik für Bürger von Bürgern“.

Während Bürgermeister Breuer und seine SPD ein stadtweites System der Bezirksausschüsse favorisieren, leisten Teile der CDU vehementen Widerstand. Warum nur? Weil es am Ende - wie meist in der Politik - um Macht und Einfluss geht. Dabei wären aufgewertete Bezirksausschüsse - mit Kompetenz und Budget ausgestattet - wirkliche „Politik für Bürger von Bürgern“. Am Samstag kann die Neusser CDU den ersten Schritt tun.

(lue-)