Neuss: Neusser Wirtschaftsprofessor rechnet mit hartem Brexit

Neuss : Neusser Wirtschaftsprofessor rechnet mit hartem Brexit

Der Neusser Wirtschaftsprofessor Paul Welfens, der an der Universität Wuppertal lehrt, erwartet im Verlauf dieses Jahres eine weitere Pfund-Abwertung. Das erklärt er in einer Mitteilung, in der sich der Ökonom mit der Brexit-Rede von Theresa May befasst. Bis Ende 2017 könnte das britische Pfund demnach 20 bis 25 Prozent unter dem Wechselkurs vor dem Referendum liegen. "Im Ergebnis werden britische Importe teuer, was bei drei bis vier Prozent Inflation einen Brexit-bedingten Realeinkommensverlust von etwa ein bis zwei Prozent für Arbeitnehmer bedeuten dürfte", erklärt Welfens. In mittlerer Schätzvariante seien langfristig sogar zehn Prozent Einkommensverlust zu erwarten.

Das lässt für Welfens nur einen Schluss zu. "Zehn Prozent realer Einkommensverlust auf lange Sicht bedeuten, dass der Brexit kein Erfolg sein kann", schreibt er. Daran ändere auch nichts, dass man einige Einkommensverluste durch UK-Freihandel mit anderen Regionen der Welt wird kompensieren können. "Dass der neue US-Präsident Trump den Brexit begrüßt, zeigt im Übrigen nur, wie sehr der Bauunternehmer Trump die ökonomische Weisheit von Adam Smith nicht kennt." Der Schotte Smith gilt als Begründer der klassischen Nationalökonomie. 1776 - und damit ausgerechnet im Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, mit der sich die 13 britischen Kolonien in Nordamerika von Großbritannien lossagten - veröffentlichte Smith sein Werk "Der Wohlstand der Nationen". Welfens weist darauf hin, dass der berühmte Ökonom zeigte, dass Freihandel Realeinkommensgewinne bringe. "Weniger Handel kostet auch Jobs, zumal wenn Vorleistungsprodukte sich verteuern", erklärt Welfens.

Der Neusser, der kürzlich sein Buch "Brexit aus Versehen - Europäische Union zwischen Desintegration und neuer EU" vorgelegt hat, rät der EU der 27 - um ihre Interessen sinnvoll zu verfolgen - zu einer raschen funktionalen Unabhängigkeit von Großbritannien. "Wenn May einen harten Brexit will, wird sie einen doppelt-harten Brexit verursachen", erklärt Welfens.

(NGZ)
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