Neusser Werhahn-Gruppe schließt Schiefer-Bergwerk

Betreiber Rathscheck Schiefer gehört Neusser Familienkonzern : Bergwerk-Schließung macht Werhahn Ärger

Schiefer-Produktion in Mayen läuft Ende 2019 aus. Belegschaft schreibt offenen Brief an Verwaltungsrat.

Das zur Neusser Werhahn-Gruppe gehörende Unternehmen Rathscheck Schiefer wird den Abbau von Moselschiefer Ende 2019 in seinem Traditionsbergwerk Mayen-Katzenberg einstellen. Diese Entscheidung bekräftigte gestern Werhahn-Holdingvorstand Kathrin Dahnke auf einer Betriebsversammlung in Mayen. Von der Schließung waren ursprünglich 51 Kumpel betroffen. Inzwischen haben nach Unternehmensangaben zwei Mitarbeiter gekündigt, zwei Zeitverträge seien ausgelaufen.

Die einstimmig von Vorstand und Verwaltungsrat der Werhahn-Gruppe beschlossene Schließung sei, so Dahnke, „nicht vom Himmel gefallen“, sondern der Schlusspunkt eines bereits zehn bis 15 Jahre währenden Prozesses, der beständig von Verlusten bei den Jahresabschlüssen begleitet wurde. Der Grund liege letztlich in der „geologischen Situation“, die einen weiteren rentablen Abbau des hochwertigen Moselschiefers unmöglich mache. Der Ausbringungsgrad läge deutlich unter den erforderlichen 12 Prozent, die Formate seien zu klein, daher fehle auch die Qualität. Mit dem Betriebsrat suche die Unternehmensleitung sozialverträgliche Lösungen für die Belegschaft. Soweit möglich würden den Mitarbeitern Anschlussverträge in Schwesterbetrieben in der Eifel angeboten.

Seit Rathscheck Schiefer das Ende von Schacht Katzenberg im Juni öffentlich machte, wehren sich die Mitarbeiter gegen das nahende Ende. In ihrer „Verzweiflung“ hatten sich die Kumpel in einem offenen Brief an Anton Werhahn gewandt, den früheren Vorstandsvorsitzenden und heutigen Verwaltungsratschef der Werhahn-Gruppe. „Wir sollen aufgrund jahrelanger Fehlentscheidungen, Untätigkeiten und mangelhafter demotivierender Führung kurzfristig unsere Arbeitsplätze verlieren“, heißt es in dem Schreiben. Es folgt der Appell: „Machen Sie bitte Ihren ganzen Einfluss geltend, dass die Entscheidung rückgängig gemacht wird. Das Argument der schlechten geologischen Verhältnisse am Katzenberg zieht nicht. Auf der 11. Sohle sind nicht einmal alle Abbaustellen angegangen.“

Das Unternehmen Rathscheck Schiefer, wurde bereits 1904 von Wilh. Werhahn KG übernommen, weist die Vorwürfe zurück. „Die Faktenlage ist wie sie ist“, sagte Kathrin Dahnke am Mittwoch gegenüber der NGZ-Redaktion, „wir bedauern das.“ Das Unternehmen sähe keine Alternative zur Schließung.

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