Neuss: Neusser vermissen Hafen-Konzept

Neuss : Neusser vermissen Hafen-Konzept

In der Mobilen Redaktion der NGZ diskutierten Ur-Neusser und Gäste die aktuellen Pläne für die östliche Stadtkante.

Beim Mundartabend der Heimatfreunde geht es thematisch mal um Weihnachtsbräuche mal um Begriffe aus Küche und Keller – aber immer harmonisch zu. Beim jüngsten Treffen aber gingen die Emotionen hoch, denn es kam die Sprache auf die Neugestaltung der östlichen Stadtkante und den dort begonnenen Bau des fünfgeschossigen Hafenkopfgebäudes. Die Wut darüber war bei Wilhelm Schepping nicht verfolgen, als er gestern zur Mobilen Redaktion der NGZ auf den Markt kam, wo es genau um dieses Thema ging. "Ich fühle mich völlig verschaukelt", sagte Schepping und forderte: "Die Neusser müssten eigentlich einen Volksaufstand wegen dieses Monstrums machen." Auch nach dem ersten Spatenstich.

Janne Gronen hat den Wandel im Hafen fotografisch dokumentiert.

Die Stadt rück an den Hafen war das Thema einer zweistündigen Diskussion auf dem Markt, die rege Entwicklung rund um das Hafenbecken I der Anlass dazu. Und die Stimmen waren nicht nur kritisch.

Falko Zymny (l.) und Ernst Freistühler: Etwas in Bewegung gekommen.

Janne Gronen zum Beispiel, die seit 23 Jahren in Neuss arbeitet und den Wandel am Hafen in jedem Detail miterlebt hat, ist ganz begeistert. Sie spricht von "Neuss am Meer", wenn sie auf dem Weg zur Arbeit über den neugestalteten Platz am Kopf des Hafenbeckens geht, und hat die vielen unterschiedlichen Bilder und Stimmungen fotografisch dokumentiert. "Ich habe auch schon mal daran gedacht, eine Ausstellung daraus zu machen."

Karl-Josef Kammerich und Karl Werner bei Redaktionsleiter Ludger Baten.

Die Entwicklung, so beklagten übereinstimmend Falko Zymny und Norbert Diekneite, lässt aber kein Gesamtkonzept erkennen und bleibt deshalb Stückwerk. "Viele Dinge werden angeleiert, aber nicht durchdacht", sagt Zymny. "Es fehlt immer der letzte Tick – und ein Mittelpunkt wird der neue Hafen nicht werden."

Otto Saarbourg: "Man müsste einen Stadtteil Neuss-Ost erfinden.".

Ernst Freistühler freut sich, dass nach Jahren des Stillstandes Dinge in Bewegung kommen. Um den inzwischen autofreien Markt oder den Bau des Romaneums sei ebenso lange gerungen worden wie um die Neugestaltung des Freithof, die nun – unter Einschluss eines Biergartens – vollendet wird. Gut sei das, findet der Händler von der Hymgasse.

Heinz Mohren bedauert, dass die Pläne für den Wendersplatz, wo ein neues Domizil für die Creditreform entstehen sollte, jetzt erst einmal vom Tisch sind. Eine Spielbank, wie von der SPD angeregt, wünscht er sich dort nicht: "Es wäre abartig, wenn statt einer soliden Haushaltspolitik die städtischen Finanzdefizite durch Glücksspielerlöse ausgeglichen würden", argumentiert er.

Karl-Josef Kammerich vom Neumarkt würde gerne die Debatte um einen Fahrgastanleger im Hafen wiederbelebt sehen, "aber die Stadt fasst die Beschlüsse nicht, die notwendig wären". Michael Linke meint, man müsste dem Investor auf die Füße treten, der das Münsterschulareal gekauft hat und seitdem untätig ist. "Das behindert doch alle weiteren Planungen", sagt er. Und viele stimmten Wilhelm Schepping zu, der das Hafenkopfgebäude als Anschlag auf die historische Stadtsilhouette wertet. "Es wird immer gesagt, da wird ein städtebaulicher Akzent gesetzt", sagt er. "Akzente haben wir genug, man muss auch das Gesamtbild pflegen."

(NGZ)
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