1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Entführung von deutschen Helfern in Syrien: Neusser Verein steht unter Verdacht

Entführung von deutschen Helfern in Syrien : Neusser Verein steht unter Verdacht

Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt im Fall der drei Mitarbeiter der Hilfsorganisation "Grünhelme", die im Mai in Syrien entführt wurden. In Verdacht geraten ist auch die Gruppe "Helfen in Not" aus Neuss, die sich selbst als Hilfsorganisation bezeichnet. Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz warnt vor dem Verein.

Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt in diesem Fall gegen Unbekannt. Das hat ein Behördensprecher gegenüber dem ARD-Politikmagazin "Report Mainz" und dem SWR-Hörfunk bestätigt. Hintergrund ist offenbar der Verdacht, dass an der Entführung Deutsche beteiligt gewesen sein könnten. Unterdessen erhebt Rupert Neudeck, Vorsitzender der "Grünhelme", gegenüber einer deutschen islamistischen Hilfsorganisation, dem Verein "Helfen in Not", schwere Vorwürfe: "Es ist ganz klar, dass diese Organisation nach Syrien gegangen ist, um allen, wie uns, das Leben dort zur Hölle zu machen."

Auch der nordrhein-westfälische Verfassungsschhutz warnt vor den "Helfern in Not". "Dem Verfassungsschutz NRW liegen tatsächliche Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich bei dem Verein "Helfen in Not" um eine extremistisch, salafistische Bestrebung handelt", teilte das Innenministerium am Mittwoch in Düsseldorf mit. Das zeige sich unter anderem deutlich in bereits durchgeführten und angekündigten Benefizveranstaltungen, bei denen regelmäßig bekannte salafistische Prediger vortrügen.

Nach einem TV-Bericht gibt es mehrere Indizien dafür, dass Deutsche bei der Entführung von drei Mitarbeitern der Hilfsorganisation "Grünhelme" eine Rolle gespielt haben könnten: So sollen die Entführten während der Geiselhaft von einem Mann in deutscher Sprache verhört worden sein. Bernd Blechschmidt, eines der Entführungsopfer, der sich im Juli nach 50 Tagen in der Gewalt von Terroristen selbst befreien konnte, sagte : "Das war recht akzentfreies Deutsch, also wie ein Deutscher." Fünf Tage vor der Entführung, am 9. Mai 2013, kam es zudem zu einem Vorfall in der nordsyrischen Stadt Azaz, wo Bernd Blechschmidt und Mitarbeiter der Organisation "Cap Anamur" ein Krankenhaus wieder in Betrieb genommen hatten. Als sie sich in der Apotheke des Krankenhauses aufhielten, wurden sie von einem Mann aus Deutschland genötigt, ihre Personalien preiszugeben. Bernd Blechschmidt: "Er hat unsere Reisepässe verlangt in einem doch sehr einschüchternden Ton, bekleidet in Armeekleidung, Stiefel, Armeehose. Bewaffnet mit einem angehefteten Messer. Ich habe mich bedroht gefühlt".

Hetze gegen Hilfsorganisationen

Aus einem Internetvideo vom Mai 2013, das "Report Mainz" und dem SWR-Hörfunk vorliegt, geht hervor, dass es sich bei dem Mann um Sabri Ben Abda handeln soll, ein behördenbekannter Islamist aus Nordrhein-Westfalen. Das Video zeigt ihn in Kampfuniform in Syrien. Er hetzt gegen westliche Hilfsorganisationen, deren Helfer er als Kuffar (Ungläubige) bezeichnet. Wörtlich sagt er: "Die Kuffar sind ihre Leute schon hier am Reinbringen. Sie sind schon mitten hier im Krieg. Und sind schon Arbeiten am Verrichten. Damit die Muslime später geimpft werden auf Demokratie." In dem Video ist auch die "Passkontrolle" in der Krankenhausapotheke zu sehen.

Laut Video agierte Ben Abda in Syrien für den Verein "Helfen in Not" mit Sitz in Neuss-Weckhoven. Dieser gibt sich als Wohlfahrtsorganisation aus, gilt jedoch als islamistisch. Der Verein machte im August durch den Kauf von Rettungswagen von sich reden. Die Rettunsgwagen wurden offenbar nach Syrien gebracht. Es gibt Hinweise, dass solche Fahrzeuge in Syrien für Sprengstoffanschläge missbraucht werden.

Wolfgang Bosbach (CDU), Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag, bewertet den Verein im Interview in einem TV-Bericht so: "Wenn man einmal hinter die Kulissen schaut, dann muss man feststellen, dass es wohl doch handfeste Indizien dafür gibt, dass es Kontakte zur islamistischen und auch zur salafistischen Szene gibt. In Kombination mit diesen Bildern [in dem Video] gibt es erhebliche Zweifel an dem humanitären Schwerpunkt des Vereins."

"Helfen in Not" bestätigte in einer schriftlichen Stellungnahme, man habe Sabri Ben Abda einmalig als Hobbyfilmer eingesetzt. Hinsichtlich des Vorwurfs, er habe deutsche Helfer bedroht heißt es:
"Sollten diese [Taten] tatsachlich vorgefallen sein, distanzieren wir uns selbstverständlich davon." Von der Entführung wisse man nichts.

Für Rupert Neudeck ist hingegen nicht akzeptabel, dass der Verein "Helfen in Not" weiterhin als gemeinnützig anerkannt ist und sogar Spenden sammeln darf: "Wenn wir als Staat nicht in der Lage sind, denen das Handwerk zu legen, hierzulande und auch in Syrien, dann sind wir ein Waschlappen-Staat."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gewinner und Verlierer der russischen Syrien-Initiative

(ots)