Neuss: Neusser verdienen an der Windkraft mit

Neuss: Neusser verdienen an der Windkraft mit

Die Stadtwerke-Windturbinen in Hoisten produzieren seit gestern im Regelbetrieb Strom. Neusser können Anteile an den Anlagen erwerben.

Die Stadtwerke sind nicht nur Stromhändler, sondern werden auch immer mehr zu einem Produzenten von grünem Strom. Und sie lassen die Neusser daran mitverdienen. An den beiden Windrädern, die südlich von Hoisten nach einigen Wochen im Testlauf jetzt die Abnahme für den Regelbetrieb bekommen haben, können sich die Neusser finanziell beteiligen. Für die Anteile - ab 500 Euro und bis maximal 20.000 Euro - zahlt das Unternehmen zwei Prozent Zinsen (Nichtkunden: 1,5 Prozent). Ab dem zweiten April können Sparbriefe mit einer Laufzeit von fünf Jahren gezeichnet werden; solange der Vorrat reicht. Denn nur zwei von insgesamt 7,2 Millionen Euro Investitionssumme kommen so an den Markt.

Den Start in den Regelbetrieb gestern inszenierten die Verantwortlichen betont sachlich. Nach Bürgerprotesten, Klagen (ein Hauptsacheverfahren ist noch anhängig) und zum Teil persönlichen Anfeindungen enthielten sich die "Sieger" gestern nach fünf Jahren Planungs- und Bauzeit jeglichen Triumphgeschreis. "Das ist ein sensibler Ort", sagte denn auch Jörg Geerlings, der als Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke-Sparte Energie und Wasser Verständnis für die Sorgen und Nöte der Anwohner zeigte. Diese Bedenken seien aufgegriffen und in Kompromissen wie etwa zur Laufzeit der Anlagen zum Teil entschärft worden, sagte Geerlings. Aber an der Notwendigkeit zum Bau der Anlage ließ er keinen Zweifel: "Die Windräder sind der Beitrag der Stadtwerke Neuss zur Umsetzung der Energiewende vor Ort."

Auch Bürgermeister Reiner Breuer bemühte sich noch einmal um Rechtfertigung dieses Stadtwerke-Engagements. Der Standort liege in einer von zwei Windenergie-Konzentrationszonen, die ausgewiesen worden seien, damit nicht überall im Stadtgebiet solche Anlagen errichtet werden, sagte er. Und er zeigte sich überzeugt, dass sich andere Investoren gefunden hätten -wenn man den Stadtwerken dieses Projekt nicht zugestanden hätte.

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Die beiden Windenergie-Anlagen liefern mit ihren Turbinen genug Strom für rund 3100 Haushalte. Beteiligungen an anderen Windparks im Bundesgebiet, eigene Photovoltaik-Anlagen und das Biogas-Kraftwerk hinzugerechnet, können die Stadtwerke bereits heute 26 Prozent ihrer Kunden Strom aus regenerativen Energiequellen anbieten, rechnete Stadtwerke-Vorstand Stephan Lommetz vor.

Der Bau der Anlage war zuletzt auch ein Wettlauf mit der Zeit, denn die Einspeisevergütung, die für Strom aus solchen Anlagen gezahlt wird, sinkt in Zukunft kontinuierlich. Mit den Beträgen für 2017 wären die Windkraftanlagen noch rentabel gewesen, doch tatsächlich konnten sich die Stadtwerke noch die lukrativeren Erstattungsbeiträge des Vorjahres sichern. Denn bereits im Dezember konnte die kleinere der Anlagen die erste Kilowattstunde ins Netz einspeisen. Und das zählt. 1,2 Millionen Kilowattstunden sind bereits während des Probebetriebs ins Netz geflossen. Bei rund 6500 Betriebsstunden - dabei 2100 in Volllast - rechnen die Stadtwerke mit einem Bruttoertrag von zehn Gigawattstunden jährlich.

Den Eingriff in die Natur, den der Bau der Windräder darstellt, müssen die Stadtwerke noch ausgleichen. Dazu soll in unmittelbarer Nähe der Anlage auf 3,5 Hektar Fläche eine Streuobstwiese angelegt werden, erklärt der Projektleiter Johannes Steinhauer. Zudem sicherte das Tiefbaumanagement dem Stadtverordneten Karl-Heinz Baum (CDU) zu, dass Wege am Gohrer Berg, die in der Bauzeit unter dem Einsatz von Maschinen gelitten haben, wieder hergestellt werden.

(-nau)
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