Ehemaliger Vize-Bürgermeister und Ex-Gildemajor ist tot: Neusser trauern um Udo Kissenkoetter

Ehemaliger Vize-Bürgermeister und Ex-Gildemajor ist tot: Neusser trauern um Udo Kissenkoetter

Geboren wurde er in Düsseldorf, doch Spuren hat er in Neuss hinterlassen: als Zahnarzt, als Ratsherr, als Vize-Bürgermeister, als Gildemajor. Der Sozialdemokrat ging gestählt aus vielen politischen Schlachten hervor, doch seinen letzten Kampf konnte er nicht gewinnen.

Den Kampf gegen die heimtückische Krankheit. Am Dienstagbend schlief er ein. Mit seiner Frau Christa und der ganzen Familie Kissenkoetter trauern viele Neusser um eine Persönlichkeit, die vier Jahrzehnte das öffentliche Leben in der Stadt mitgeprägt hat. Kissenkoetter wurde 77 Jahre alt.

Der Beruf führte das Ehepaar Kissenkoetter nach Neuss. 1962 kam der promovierte Zahnarzt in die Stadt, wo er im Ärztehaus am Markt 1966 seine Praxis eröffnete; ihr Wohnhaus haben die Kissenkoetters im Stadionviertel. Parallel zum Beruf schloss er ein Studium der Geschichte, Philosophie und Germanistik in Düsseldorf an. 1975 promivierte er in Stuttgart ein zweites Mal; nun zum Dr. phil. Sein Thema: "Georg Strasser und die NSDAP".

Kissenkoetter, der 1972 in die SPD eingetreten war, wurde 1975 erstmals in den Rat der Stadt Neuss gewählt. Knapp 30 Jahre blieb er Ratsherr. Er war in dieser Zeit Vorsitzender der Neusser SPD (1975 bis 1981), Chef der Stadtratsfraktion (1987 bis 1993) und stellvertretender Bürgermeister (1993 bis 2004). Besondere Anerkennung erwarb er sich als Vorsitzender des städtischen Kulturausschusses.

Zu den Schützen fand Udo Kissenkoetter 1975. Er marschierte in Reihen der Gilde mit, deren Vorsitzender und Major er 1980 wurde und es 25 Jahre blieb, ehe er 2005 seinem Nachfolger Paul Oldenkott den Staffelstab und ein gut aufgestelltes Korps übergab. Seine Freizeit verbrachte Udo Kissenkoetter mit seiner Familie, genoss den Sommer in seinem südfranzösischen Domizil, pflegte seine Oldtimer und war viele Jahre aktives Mitglied im CC-Club kochender Männer in der Bruderschaft Marmite.

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Reaktionen

Bürgermeister Herbert Napp: "Der Tod Udo Kissenkoetter trifft mich trotz seiner schweren Krankheit unvorbereitet. Ich fühle insbesondere mit seiner Frau Christa und seiner ganzen Familie. Udo Kissenkoetters Andenken aber bleibt in unserer Stadt. Er hat über viele Jahre das öffentliche Leben in Neuss mit geprägt. Er war nicht nur bekannt durch seinen Hauptberuf als Zahnarzt, sonder er engagierte sich auf vielfältige Weise für unsere Stadt. Als Ratsmitglied setzte er sich unter anderem für die Kultur in Neuss ein und als Stellvertretender Bürgermeister vertrat er mich viele Jahre bei zahlreichen Anlässen. Er war aber auch als Gildemajor aktiv im Schützenwesen und als Historiker in unserer Stadt. Udo Kissenkoetter und ich waren über die politische Schiene hinaus freundschaftlich Verbunden.

Paul Oldenkott, Major und Vorsitzender der Schützengilde seit 2005:"Udo Kissenkoetter hat sich bürgerschaftlich weitgefächert engagiert, wie kaum ein Zweiter in Neuss: In der Politik, in der Kultur, im Kulinarischen, in der Gesellschaft und insbesondere im Schützenwesen. Von den Ehrenämtern, die Udo trug, war ihm die Schützengilde Neuss und das Neusser Schützenwesen aber stets eine besondere Herzensangelegenheit geblieben. So war er mir bis zuletzt ein in Freundschaft verbundener und gerne gesuchter Ansprechpartner in wichtigen Fragen nicht nur des Schützenwesens. Udo hat bei uns so viel Bleibendes bewirkt, dass er schon durch seine hinterlassenen Spuren präsent bleibt. Die Gilde und ich persönlich sind tieftraurig."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Udo Kissenkoetter - ein Blick auf sein Leben

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