Neusser Streetworker machen auf Jugend-Obdachlosigkeit aufmerksam

Landesweite Initiative: Wenn Jugendliche auf der Straße leben

Streetworker machen landesweit auf Jugend-Obdachlosigkeit aufmerksam – auch in Neuss.

Die Lage auf dem Wohnungsmarkt spitzt sich immer weiter zu – auch für junge Menschen. Und das besonders, wenn noch ein schwieriger sozialer Hintergrund, ohne Arbeit und Unterstützung, hinzukommt.

„Auf der Straße zu Hause?!“ – unter diesem Motto machen noch bis zum 21. September in ganz Nordrhein-Westfalen Fachkräfte aus 21 Einrichtungen auf Problemlagen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufmerksam, für die Straße zum Lebensmittelpunkt geworden ist oder die dort den größten Teil ihrer Freizeit verbringen. Sie sind Zielgruppe von Streetwork und mobiler Jugendarbeit. Initiiert wird die Aktionswoche von der Landesarbeitsgemeinschaft Streetwork/Mobile Jugendarbeit NRW. Die Aktionswoche ist ein Folgeprojekt des gleichnamigen Aktionstages aus dem Jahr 2017, der ein großer Erfolg war.

Auch in Neuss standen die Streetworker Marion Hardegen, Ellen Bente, Jochen Baur, Ridvan Ucar und David Wilder am Dienstag vor dem Neusser Rathaus Rede und Antwort. „Es ist ganz wichtig auf die Probleme der jungen Leute aufmerksam zu machen“, sagt Baur. „Wir nutzen hier die Zeit vor dem Jugendhilfeausschuss, vielleicht guckt der ein oder andere Politiker auch einmal vorbei“, ergänzt Hardegen voller Hoffnung.

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Mitten auf dem Tisch vor den beiden steht ein Gefäß mit Gummibärchen, „etwa 5000, vergleichbar mit der Zahl wohnungsloser Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Nordrhein-Westfalen “, erklärt Baur. Die beiden sind seit über dreizehn Jahren als Streetworker in Neuss aktiv und haben schon viele Schicksale erlebt. Natürlich gebe es Erfolgsgeschichten, sie haben Jugendliche und junge Erwachsene in ein neues Leben begleitet. „Manche beginnen eine Ausbildung oder fangen an zu studieren. Wenn man weiter mit ihnen in Kontakt bleibt und sieht, wie sich alles in die richtige Richtung entwickelt, ist das sehr erfreulich“, so Baur.

Natürlich gebe es Anlaufstellen, in denen die Betroffenen Unterschlupf finden können, aber durch eine starke Reglementierung wirken diese schnell abschreckend. „Die hauen dann einfach ab und landen auf der Straße“, erklärt Hardegen. „Dann ist es unglaublich schwer wieder zurück in einen geregelten Alltag zu finden“, sagt Baur.

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