Neusser Stadtgespräche: Konrad-Adenauer-Stiftung lädt zu Experten-Talk

Neusser Stadtgespräche: Welt in Unordnung – aber was tun?

Internationale Konflikte, der Abschied der USA als verlässlicher Partner und die Zunahme autoritärer Regime stellen Deutschland vor Herausforderungen. Experten sprachen auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung darüber.

Die Pegelbar am Hafen war genau der richtige Ort für die neueste Auflage der Neusser Stadtgespräche: Es ging nämlich um das höchst aktuelle Thema „Die Welt in Unordnung – Herausforderungen und Verantwortung für Deutschland“. Dass die aktuellen politischen Veränderungen die Menschen berühren, bewies die große Resonanz: Kein Stuhl blieb frei. Gerhard Wahlers, Leiter der Hauptabteilung „Europäische und Internationale Zusammenarbeit“ der Konrad-Adenauer-Stiftung, ging auf die wesentlichen Konfliktherde ein und stellte sich anschließend der Diskussion. Martin Kessler, Chef der Politik-Redaktion der Rheinischen Post, moderierte die Veranstaltung.

Hermann Gröhe (CDU), Neusser Bundestagsabgeordneter und stellvertretender Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, reichte ein Blick aus dem Fenster auf den Hafen, um zu konstatieren: „Wir sind eine Nation, die wesentlich vom freien Welthandel lebt, eine Abschottung kann nicht gelingen.“ Später sollte Gerhard Wahlers deutlich machen, dass das längst nicht alle Länder so sehen: „Die Europäische Union ist viel heterogener geworden.“ Der Ruf nach mehr Souveranität werde lauter. Der Tipp des Referenten: „Wir sollten Rücksicht nehmen auf die Spezifika der einzelnen Länder.“ Und – mit Blick auf die USA – machte er deutlich, dass ein Wandel in der Außenpolitik schon vor Donald Trump stattgefunden habe: „Schon unter Obama haben sich die USA von internationalen Konfliktfeldern nach und nach zurückgezogen.“ Sein Credo: „Wir sind auf die USA angewiesen. Es gilt, Brücken nicht abzubrechen und neue Verbindungen zu suchen.“

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Eine neue Erkenntnis, die für sehr viel Unbehagen unter den Besuchern sorgte: China artikuliert seinen Weltmachtsanspruch, will größte Wirtschaftsnation werden – und ist nach wie vor weit davon entfernt, als demokratisches Land zu gelten. Und die Chinesen rücken unaufhaltsam näher, haben beispielsweise den Hafen von Piräus erworben. Ihren Wehretat haben die Chinesen seit 2008 um 110 Prozent gesteigert – Gerhard Wahlers hat Verständnis für Trumps Forderung nach größeren militärischen Anstrengungen des Westens und auch von Deutschland. Ein Zuhörer vermisste stärkeres militärisches Engagement der Bundeswehr, die Teilnahme an Auslandseinsätzen in vorderster Front.

Zur Flüchtlingsproblematik sagte Wahlers: „Man kann dieses Problem nicht alleine lösen.“ Er sprach sich dafür aus, die Außengrenzen stärker zu schützen und erkannte: „Was auch immer wir tun: Das moralische Dilemma wird man nie gänzlich lösen können.“ Ein Zuhörer beklagte, dass die Zahl der autoritären Regime zunehme und dass die Mehrheit in diesen Ländern hinter diesen Regierungen stehe. Sein Vorwurf: „Wir haben zu sehr abgerüstet, sind nicht mehr bereit und in der Lage, unsere Demokratie zu verteidigen.“ Wahlers warf einen kurzen Blick auf Afrika, einen Kontinent mit vielen Spannungen und großem Bevölkerungswachstum. Ziel müsse es sein, den Menschen vor Ort eine Perspektive zu eröffnen. Das brauche Zeit. Und der Nahe Osten? „Viele Länder dort haben keine wirkliche Staatlichkeit – das bereitet uns Sorgen.“ Hinzu kämen Konflikte wie zwischen Saudi-Arabien und Iran.