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Neusser Stadtgespräch: Klimaschutz in der Stadt

Klimaschutz in Neuss : Vision von einer autofreien Innenstadt

In der Woche der Nachhaltigkeit drehte sich in der 15. Auflage der Reihe „Neusser Stadtgespräch“ alles um den Klimawandel in der Stadt. Auf dem Podium war man sich einig: Klimaschutzschutz ist eine Chance für Neuss.

Klimawandel und Klimaschutz sind in aller Munde. Aber was kann eine Stadt wie Neuss ganz konkret dazu beitragen? Das 15. Neusser Stadtgespräch widmete sich dieser Frage. Im Kulturforum Alte Post diskutierten rund 30 Neusser mit Fachleuten. Mit auf dem Podium: die Journalistin Petra Pinzler. Sie schilderte in einem Impulsreferat ihren Versuch, den eigenen „ökologischen Fußabdruck“ zu verbessern. Die anschließenden Diskussion drehte sich vor allem um die Chancen, die der Klimaschutz einer Stadt wie Neuss bietet.

Zunächst aber lauschten alle Petra Pinzler. Mit konkreten Beispielen berichtete sie von ihren Erfahrungen, mit ihrer Familie klimafreundlicher zu leben. Die Tochter gab den entscheidenden Impuls,  und aus einer Idee wurde erst ein Projekt und schließlich ein Buch. Da die Politik nicht genug fürs Klima tue, hat die Familie das Thema einmal persönlich genommen. Die Ökobilanz war eher mittelmäßig, also wurden verschiedene Themen angegangen, um die Bilanz zu verbessern. Auch der Fleischkonsum kam auf den Prüfstand. Alle hätten dabei gelernt: Veränderung braucht Zeit. Aber immerhin  konnten die Pinzlers ihren CO2-Ausstoß um 30 Prozent senken.

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In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Andreas Vollmert, nahmen sich Umweltdezernent Matthias Welpmann, Stadtwerke-Geschäftsführer Ekkehard Boden und Matthias Wanner vom Wuppertal Institut gemeinsam mit  Petra Pinzler des Klimaschutzes ganz konkret in Neuss an. Welpmann berichtete dabei aus seiner täglichen Arbeit. Zum Thema Bäume stelle er fest, dass das Denken vieler Neusser in eine falsche Richtung weise. „Ich habe mehr Beschwerden auf dem Tisch, weil Bürger Bäume gefällt sehen wollen, als Beschwerden über zu Unrecht gefällte Bäume“, erklärt er.  Welpmann ist überzeugt, dass jeder etwas tun muss, um den Klimaschutz voran zu bringen. Jeder wolle schließlich eine lebenswerte Stadt, „das braucht Veränderung“.

Ekkehard Boden wurde nach den Erfahrungen mit den Hybridbussen gefragt. Der Stadtwerke-Geschäftsführer erklärte, Mobilität könne nicht nur über den Autoantrieb diskutiert werden. Elektro-Fahrzeuge müssten als neues Fahrzeug gedacht werden. „Als Vorbild kann man einen Wandlungsprozess anstoßen“, sagte Boden. Er selbst nutze ein E-Auto und das Fahrrad. Dem Aspekt Vorbild pflichtete Petra Pinzler bei. Die Klimaschützerin konnte auch von Anfeindungen berichten, ist aber überzeugt: „Wenn Sie in Neuss klein anfangen, wird die Stadt attraktiver für die Menschen.“

Matthias Wanner hatte als Wissenschaftler aber nicht nur die ökologisch beste Lösung im Blick. Er erklärte, dass Politik oft in der Zwickmühle steckt zwischen wirtschaftlichen Fragen. „Wir müssen uns auch immer wieder fragen, was wir für ein gutes Leben wirklich brauchen“, sagte er.

Am Ende wurde eine Vision für Neuss entwickelt: Autos raus aus der Innenstadt und Mobilität neu gedacht. Um dieser Vision näher zu kommen, brauche es ein Umdenken. Denn sonst drohe der Kollaps.