Neusser Schützen klären Mord auf - Frank Kurella stellt neuen Krimi vor

Frank Kurella aus Neuss legt neuen Krimi vor : Schützen klären Mord in Friesland auf

Kurz vor dem großen Neusser Heimatfest legt Frank Kurella seinen neuen Krimi vor: Bei der „Schützenhilfe“ bringen Zugmitglieder der „Fidelen Frischlinge“ Kommissar Fiede Bramsen auf die richtige Spur. Er findet zwei Tote im Watt.

Schützen sind Gutmenschen; Neusser Jäger sowieso. Darum entsenden die „Fidelen Frischlinge“ fünf Kundschafter ins nordfriesische Tiedebüll, um in der vermeintlichen Brauchtumsdiaspora auszuloten, ob mit dem Export rheinischen Frohsinns dort Volksfestnotstand zu lindern und fröhliches Tun zu bewegen ist. Der missionarische Eifer führt das Heldenquintett geradewegs in ein Abenteuer mit zwei Toten. Am Ende marschieren zwar keine Schützen durch Tiedebüll, doch der Mord ist mit Hilfe der Neusser Recken aufgeklärt. Die treten in der Überzeugung die Heimfahrt an, dass Nordfriesen durchaus auch Bürgersinn haben, Wir-Gefühl pflegen und Spaß an d’r Freud’ haben.

Den skurrilen schützenfestlichen Rahmen und die spannende Krimihandlung, die den Leser immer wieder auf falsche Fährten lockt, hat sich Frank Kurella ausgedacht. Der angelernte Neusser, seit 1995 in der Stadt, hat jetzt seine fünfte Publikation vorgelegt. Erstmals einen Krimi. „Schützenhilfe – auch der Tod hat Tradition“ heißt das Buch, das im Eigenverlag erscheint und ab Donnerstag (15.) im Bücherhaus am Münster und der Tourist-Info im Rathaus erworben werden kann. Am Mittwoch stellt der Autor sein Werk erstmals öffentlich vor: Gaststätte Rheingold, Neustraße.

Frank Kurella (55) liefert keine Arbeit ab, die Literaturkritiker mit der Zunge schnalzen lassen wird. Will er auch gar nicht. „Ich möchte den Neussern ihre Stadt näher bringen“, sagt er über seine Intention. So ist ihm ein Buch gelungen, das sich leicht lesen lässt. Die ideale Lektüre für faule Tage in den Ferien oder für den Erholungstag nach einem (vor-)schützenfestlichen Einsatz. Da ist kein Besserwisser unterwegs, sondern einer, der nichts anderes im Schilde führt als mit einem Augenzwinkern zu unterhalten.

Pfiffig verbindet Kurella die Mördersuche am Nordseestrand mit der DNA-Analyse eines x-beliebigen Neusser Schützenzuges, die niemals so detailliert ist, dass sie den Blick auf real existierende Marschierer lenkt und doch so präzise beobachtet ist, dass sich einjeder selbst in den Figuren um Oli, den Oberleutnant, und Lemmy, den Schriftführer, wieder erkennt. So ist die „Schützenhilfe“ kein Schlüsselroman über die Irrungen und Wirrungen des Schützenwesen, das Buch hält auch keine Enthüllungen über die Arbeit von Komitee und Korpsführer bereit. Kurella spießt auch nicht die menschelnden Eitelkeiten von „denen da oben“ auf, sondern kann über sich selbst und somit den Neusser Schützen an sich lachen. Gut gemacht.

Der Versuchung, sich im Detail zu verlieren und sich zu Lasten Dritter Aufmerksamkeit zu verschaffen, entzieht sich Frank Kurella, in dem er den Tatort nach Nordfriesland verlegt und seine Neusser Protagonisten dort agieren lässt. Da braucht es weder König, Präsident noch Oberst, noch nicht einmal eine Uniform ist erforderlich, auch auf Umzüge und Musikkapellen verzichtet er.

Lesenswert ist Kurella trotzdem. Zur Hochform läuft er immer dann auf, wenn er einen Blick ins Innenleben (s)eines Zuges zulässt. Die schlichte Zugversammlung kann derart schräg daher kommen, wie sich die Dramaturgie kein Comedian besser hätte einfallen lassen können. Kostprobe. Es geht dem Versammlungsfinale zu, „Verschiedenes“ steht auf der Tagesordnung: „Dieser Punkt kam immer so tückisch harmlos, ja, scheinheilig unauffällig auf der Agenda daher. Doch er konnte ein Teufel sein. Gab es keine Wortmeldung, ertönte kurz darauf das Glöckchen des Zugführers und die Versammlung war schlagartig zu Ende. Meldete sich jedoch einer der Kameraden zu Wort, dann folgte der nächste und der nächste und ...“

Frank Kurella weiß, worüber er schreibt. Im wahren Leben ist der Banker auch Jäger im Hauptmannszug „Steinadler“. Wer seine Zitate aus der FFF-WhatsApp-Gruppe liest, wobei FFF für „Frauen der Fidelen Frischlinge“ steht, dem wird bewusst, dass es Satiriker in diesem (Schützen-)Leben schwer haben. Sie werden von der Realität überholt. Gut, wenn das viele erkennen.

(lue-)
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