Neusser schreibt Naturbuch über Kormorane

Neusser schreibt Naturbuch : Der Retter der Kormorane

Rainer Nahrendorf, Ex-Chefredakteur des Handelsblattes, versucht mit seinem Buch „Der Kormoran-Krieg – warum die Waffen nicht schweigen“ Naturschützer und Vertreter der Fischereiwirtschaft an einen Tisch zu holen.

Zum Frühstück sind sie von ihren Brutkolonien in Monheim nach Neuss gesegelt und trocknen jetzt das bläulich-grüne Gefieder auf den Rheinbuhnen. So friedlich und gerne gesehen wie an diesem Dienstag Morgen seien die Kormorane aber nicht immer, sagt Rainer Nahrendorf. Im Gegenteil: Der Fischfresser sei ein echter Problemvogel: „Zwischen Anglern und Naturschützern herrscht ein erbitterter und hoch emotionaler Streit.“ Viele Angler, insbesondere Fischereibetriebe, sorgen sich um den Bestand in den Gewässern; fordern daher die Vergrämung und mancherorts sogar die Tötung des „Räubers“ und die Verhinderung neuer Brutkolonien. Naturschützer dagegen wollen die NRW-weit rund 1000 bis 1200 Brutpaare des „Vogel des Jahres“ 2010 erhalten.

Um beide Seiten an einen Tisch zu bringen, hat Diplom-Politologe Nahrendorf, ehemaliger Chefredakteur beim Handelsblatt, einen 120-seitigen multimedialen Vermittlungsversuch unternommen. Sein Buch „Der Kormoran-Krieg – warum die Waffen nicht schweigen“ handelt von neuen Kormoranverordnungen; Ausnahmegenehmigungen also, die zum Abschuss von rund 19.000 Vögeln geführt haben sollen, von nicht-tödlichen Schutzmaßnahmen und Runden Tischen, an denen die Fischereiwirtschaft Lösungen mit den Naturschützern erdenken soll.

Letztendlich aber ist das Naturbuch eine Hommage an den Kormoran. „Die Vögel sind sehr schlau und können bis zu 30 Meter tief tauchen. Ihre grünen Augen passen sich so an, dass sie auch unter Wasser wunderbar sehen können – ein tolles Phänomen“, schwärmt er von den Tieren. Weder Angler noch Naturschützer waren über den emotionalen Titel seines Werks erfreut, sagt der 75-Jährige. Jedoch seien die Reaktionen bis jetzt sachlich ausgefallen. „Das macht Hoffnung und war bei der teilweise schwierigen Recherche mit vielfacher Auskunftsverweigerung nicht zu erwarten gewesen.“ Die einzige Lösung des Konflikts liege nämlich im Miteinander auf lokaler Ebene.

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Geschrieben habe er das Buch in erster Linie, weil er als Fliegenfischer einerseits und Naturfreund andererseits selbst von dem Konflikt um den Kormoran betroffen sei und zwischen den Fronten stehe, erklärt Nahrendorf. Es sei „kein Mainstream-Buch und erst recht keines, mit dem man Geld verdienen kann, sondern ein Friedensversuch. Die Kormorane haben ein Recht auf Leben – die Fische aber auch“, resümiert Nahrendorf, der seit 1973 in Neuss lebt.

Auch in seiner Heimat begab er sich während seiner rund zweimonatigen Recherche für das Naturbuch auf die Suche nach Kormoranen. Einzelne Exemplare seien am Rhein und am Neusser Hafen immer mal wieder zu beobachten; rund um das Kaarster Kreuz halten sich oft Kormorane an den Baggerseen auf und am Kasterer See bei Bedburg treffe man auch immer welche an. „In unserer Gegend sind die Vögel sicher“, sagt Rainer Nahrendorf. Es gebe keine gewerbliche Rheinfischerei, also auch keinen möglichen fischereiwirtschaftlichen Schaden und auch sonst bestehe keineswegs die Gefahr der Ausrottung einer hier heimischen Fischart.

„Selbst von den Wanderfischen, etwa dem Atlantischen Lachs, um deren Wiedereinbürgerung man sich bemüht, erwischen Kormorane nur 10 bis 20 Prozent.“ Nach Büchern über Unternehmensgründer sowie Geier, Mäuse, Fledermäuse und aktuell Kormorane hat der Journalist im „Unruhestand“ nun weitere Pläne: Er möchte einen „Steinzeitkrimi“ schreiben.

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