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Neuss: Neusser plant Olympia-Haus

Neuss : Neusser plant Olympia-Haus

Stadien und Gebäude für sportliche Großereignisse konzipiert er gern: die Danziger EM-Arena ist eröffnet, das Olympia-Haus in Sochi erhielt den russischen Umweltpreis. Der Erfolg bleibt Architekt Friedel Kellermann treu.

Vor dem Fernseher daheim in Neuss verfolgte Friedel Kellermann (76), wie sein Werk die erste internationale Bewährungsprobe bestand: "Die Karten fürs Spiel hatte ich einem jüngeren Kollegen gegeben." Deutschlands Fußball-Nationalelf trennte sich von Gastgeber Polen 2:2. Ort des Geschehens: die PGC-Arena in Danzig, in der im kommenden Sommer vier Partien der Fußball-Europameisterschaft ausgetragen werden.

Friedel Kellermann (l.) und sein polnischer Partner Wojtek Grabianowski mit der Ehrentafel, die an die Erbauer der Danziger Fußball-Arena erinnert. Foto: RKW

Das Stadion entstand nach Entwürfen des Neusser Architekten Friedel Kellermann, der als Seniorpartner gemeinsam mit sechs jüngeren Partnern das angesehene Düsseldorfer Architekturbüro RKW Rhode, Kellermann, Wawrowsky leitet. Kellermann selbst war wenige Wochen zuvor zur Eröffnung nach Danzig gereist, an der auch Polens Ministerpräsident Donald Tusk teilnahm. Auf einer Ehrentafel, die im Stadion angebracht wurde, ist auch der Name der deutschen Architekten vermerkt.

In der Danziger Arena werden 2012 vier EM-Spiele ausgetragen. Foto: RKW

Kellermann und seine RKW-Architekten sind keine Neulinge im Sportstättenbau. Im Gegenteil. So stammen die Eisarenen in Krefeld (Königpalast) und in Düsseldorf (ISS Dome) aus ihrer Ideenschmiede. Nun bauen sie sogar für Olympia. Zwar belegten sie beim Wettbewerb fürs Olympia-Stadion in Sochi "nur" den zweiten Preis, doch jetzt erhielt RKW den Auftrag, das zentrale Besucher- und Verwaltungsgebäude für das Olympische Komitee zu planen.

In Sochi werden 2014 die Olympischen Winterspiele ausgetragen. Die erste Auszeichnung ist schon da: der russische Umweltstaatspreis. "Damit wurde unser Konzept belohnt, umweltfreundlich zu planen und zu bauen", sagte Architekt Lars Klatte, geschäftsführender Gesellschafter und somit einer der Partner von Friedel Kellermann bei RKW ist.

Friedel Kellermann ist ein stiller Star der Branche. Er gehört zu den rheinischen Architekten, die vielen europäischen Städten ein Gesicht gegeben haben. Vor mehr als 50 Jahren fing alles an. Damals ging er als 25-Jähriger zu Architekt Helmut Rhode. "Wir sind sehr schön erfolgreich", formuliert Kellermann in seiner bescheidenden Art. Was er meint, belegen eindrucksvolle Zahlen. Über 250 Mitarbeiter stehen hinter RKW mit Büros Düsseldorf, Frankfurt, Leipzig und München sowie in Warschau, Danzig und Moskau. Der Umsatz wird mit rund 30 Millionen Euro angegeben.

Vor 50 Jahren kam der gebürtige Rheydter Friedel Kellermann nach Neuss, wo er mit Blick auf den Stadtgarten wohnt: "Neuss ist eine schöne Stadt." Zur Gestaltung hat er Beiträge geleistet und wird sie auch künftig liefern. So baute der Neusser Bauverein nach seinen Entwürfen am Marienkirchplatz und auf dem Marianum-Areal an der Preußenstraße neue Quartiere.

(NGZ/rl)