1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Neusser pfeifen in Pakistan

Neuss : Neusser pfeifen in Pakistan

Drei junge Schiedsrichter aus Neuss brechen im August nach Pakistan auf, um dort Fußball-Entwicklungshilfe zu leisten. Sie werden Spiele in der dortigen "Premier League" pfeifen.

Es ist eine ungewöhnliche Mission: Wenn die drei Neusser Andre Schriddels, Stefan Pakusch und Malik Riaz Hai Naveed im August nach Pakistan aufbrechen, wollen sie dort Fußball-Entwicklungshilfe leisten. Die drei sind allesamt Schiedsrichter im Fußballverband Niederrhein und sollen in Pakistan auf Einladung des dortigen Fußballverbands in der "Premier League" pfeifen. Trotz der Überschwemmungskatastrophe in dem südasiatischen Land vor einigen Monaten freut sich das Trio auf den außergewöhnlichen Auslandstrip.

Initiiert wurde die Reise von Malik Riaz Hai Naveed. Der Vater des 22-jährigen Studenten der Politikwissenschaften stammt aus Pakistan, schon seit Jahren hat er Kontakt zum pakistanischen Fußballverband. "Die erste Liga dort ist nicht mit der Bundesliga vergleichbar", räumt er ein, "Regionalliga-Niveau hat das ganze allerdings schon." Bei den Teams der "Premier League" handelt es sich vielfach um Werks- oder Behördenmannschaften. So heißen die Vereine "Marine FC", "Armee FC" oder "Gleise FC". Der junge Neusser war schon einmal vor Ort, um ein Spiel zu pfeifen. "Das war ein ungewöhnliches Erlebnis", berichtet er, "in einem Stadion mit 48 000 Plätzen waren 300 Zuschauer." Der Auftritt des deutschen Nachwuchs-Schiedsrichters sorgte direkt für Aufsehen: Malik Riaz Hai Naveed zeigte direkt in seinem ersten Spiel einem Akteur die Rote Karte. "Da kamen alle auf mich zu und meinten, das könnte ich doch nicht machen. Der Spieler wollte unbedingt weiterspielen, ich hab' aber meine Linie durchgezogen." Seine "Linie durchziehen", das will auch Azubi Stefan Pakusch bei seinen Einsätzen in Pakistan im August. Am Niederrhein pfeift er in der Landesliga, in Pakistan will er sich von Anfang an bei den Spielern Respekt verschaffen. "Die Landessprache Urdu spreche ich natürlich nicht, es wird aber mit Englisch schon klappen", hofft er. Wobei die Pakistanis offenbar über eine ganz eigene Mentalität verfügen. "Wenn es für eine Mannschaft nicht so läuft wie gewünscht kommt es vor, dass sie mitten im Spiel nicht mehr weitermacht und den Platz verlässt", sagt Malik Riaz Hai Naveed.

Die Eltern der drei Neusser Schiedsrichter hatten sich anfangs aufgrund des ungewöhnlichen Trips Sorgen gemacht. "Kein Wunder, mit Pakistan verbindet man ja auch nicht Urlaub, sondern eher die Taliban und die letzte große Überschwemmungskatastrophe", so Rote-Kreuz-"Zivi"Andrè Schriddels.

(NGZ)