Neuss: Neusser Parks als Acker?

Neuss: Neusser Parks als Acker?

Eine Idee aus Rheinland-Pfalz elektrisiert Neusser Politiker: In Andernach wird ein Teil der öffentlichen Grünflächen als Gemüsegarten genutzt. Alle Parteien können sich vorstellen, dieses Konzept auch in Neuss umzusetzen.

Blumenkohl statt grüner Wiesen, Bohnen statt Hecken und Kartoffeln statt Efeu – das können sich die Neusser Politiker gut vorstellen. Auf das Modell der "Essbaren Stadt", das die Stadt Andernach seit dem vergangenen Jahr aufgelegt hat, ist in Neuss zuerst die FDP aufmerksam geworden. "Die Bürger könnten mit einem solchen Projekt an ihrer Stadt teilhaben und die Natur neu erleben", meint FDP-Fraktionschef Heinrich Köppen, der einen internen Arbeitskreis auf das Thema angesetzt hat. Auch bei den anderen Parteien wird die Idee diskutiert, Teile der Grünflächen zu Gemüsegärten zu machen. Etwa bei der SPD, wo sich Geschäftsführerin Astrid Westermann vorstellen kann, dass eine "essbare Stadt" Identität und Gemeinsinn schaffen kann. "Zudem ist Neuss eine hoch verdichtete Stadt, und es wäre toll, wenn die Landwirtschaft wieder mehr in die Mitte rücken würde", sagt die SPD-Politikerin.

"Diese Idee könnte von uns sein", heißt es augenzwinkernd bei den Grünen. Parteisprecher Roland Kehl sieht eine große Sehnsucht der Menschen nach den Ursprüngen der Lebensmittelerzeugung. "Einen Versuch ist es wert", findet Kehl, zumal mit dem Projekt die Hoffnung verbunden ist, dass angesichts des bürgerlichen Engagements langfristig Kosten für die Pflege der Grünflächen sinken.

In Andernach hatte die Stadt dem Projekt Starthilfe gegeben, indem sie eine Brachfläche in einem Vorort zur Verfügung stellte. Später wurde dann eine Fläche in der Innenstadt hinzugenommen. Das Engagement der Bürger ist zwar da – Vandalismus gibt es laut Auskunft der Stadt kaum – schwierig ist es allerdings, die Menschen das ganze Jahr über zu motivieren, den Gemeinschaftsgarten zu pflegen.

Daher hat Ingrid Schäfer, stellvertretende Fraktionschefin der CDU, auch Bedenken, was das Projekt angeht. "Generell bin ich voll dafür", sagt die Unionspolitikerin, die auch stellvertretende Vorsitzende des Umweltausschusses ist. Aber es müsse gut geplant sein, Regeln aufgestellt werden, Partner mit ins Boot kommen. "Etwa die örtlichen Kleingartenvereine", meint Schäfer, die nicht glaubt, dass eine öffentliche Nutzung ganz ohne Aufsicht funktionieren kann. Das habe sich auch am Kinderbauernhof gezeigt, wo der öffentliche Bauerngarten mittlerweile nur noch vom Förderverein gepflegt wird, weil engagierte Helfer fehlen.

Dass ein Projekt "Essbare Stadt" gut vorbereitet sein will, meint auch Umweltdezernent Horst Ferfers, der eine politische Initiative zum Thema begrüßen würde. "Ich könnte mir gut vorstellen, mal in Andernach einen Ortstermin zu machen, um das Projekt unter die Lupe zu nehmen", sagt Ferfers zu dem Thema.

(NGZ)
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