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Neuss: Neusser Ostpreußen halten Tradition hoch

Neuss : Neusser Ostpreußen halten Tradition hoch

Zwischen Grützwurst und Nachwuchssorgen: Die Kreisgruppe Neuss der Landsmannschaft Ostpreußen braucht neue Mitglieder.

Flinsen für Reibekuchen, Klopse für Hackbällchen, Keilchen für Kartoffelklöße und Kumps für Sauerkraut - ganz schön kreative Namen haben sich die Ostpreußen einst für diese Speisen ausgedacht. Diese Begriffe sind Teil einer Kultur, einer eigentlich verloren gegangenen Kultur, die die Kreisgruppe Neuss der Landsmannschaft Ostpreußen vor dem Vergessen bewahren will.

Bei der gestrigen Jahreshauptversammlung im Marienheim bestätigten die Mitglieder des Kulturvereins ihren langjährigen Vorsitzenden Peter Pott (72) im Amt und wählten neue Mitglieder in den Vorstand. Doch auf der Tagesordnung stand keineswegs nur das übliche Versammlungs-Prozedere: Bei den Ostpreußen durfte natürlich auch das traditionelle Grützwurst-Essen nicht fehlen.

 Metzgermeister Rolf Seidenberg bietet Peter Pott die Grützwurst an (o.). Der neue Vorstand der Landsmannschaft besteht aus (v.l.) Gerhard Hosenberg, Günter Manthei, Agathe Skirlo, Henrica Pott, Elvira Drewes und Peter Pott.
Metzgermeister Rolf Seidenberg bietet Peter Pott die Grützwurst an (o.). Der neue Vorstand der Landsmannschaft besteht aus (v.l.) Gerhard Hosenberg, Günter Manthei, Agathe Skirlo, Henrica Pott, Elvira Drewes und Peter Pott. Foto: Woi

Was es damit auf sich hat? Die Grützwurst, deren Grundmasse vergleichbar ist mit der einer Blutwurst, wird statt Speck mit gebrochener Gerste oder anderen Getreidearten zubereitet. Sie gilt angebraten oder in ziehendem Wasser erwärmt als ein Klassiker aus dem ehemaligen Osten Deutschlands, mit dem auch der Düsseldorfer Metzger Rolf Seidenburg bestens vertraut ist. Bei der Jahreshauptversammlung servierte er unter anderem Grützwurst mit Kumps, also Sauerkraut, nach der Familienrezeptur seiner ostpreußischen Vorfahren.

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"Dieser kulinarische Abstecher in die ostpreußische Küche gehört seit vielen Jahren für uns dazu", sagt Peter Pott, der im Alter von drei Jahren zum Ende des Zweiten Weltkriegs mit seiner Mutter und seinen Geschwistern von Lötzen aus gen Westen flüchtete. Er stellte gestern klar: "Wir sind nicht die ewig Gestrigen. Auch nach dem Krieg sind viele aus Ostpreußen geflohen oder vertrieben worden. Insgesamt etwa zwölf Millionen Menschen."

Doch der Landsmannschaft Ostpreußen, die Kultur und Erinnerungen über das Jahr verteilt mit zahlreichen Veranstaltungen lebendig halten will, geht es wie so vielen Vereinen momentan alles andere als gut. "Wir haben große Nachwuchssorgen", berichtet Peter Pott. Gerade jüngeren Generationen fehlt die Geschichtslehre. Immer weniger Menschen hätten einen Bezug zur Vergangenheit und damit auch zur Geschichte des ehemaligen deutschen Ostens. "Unsere Kreisgruppe sucht daher dringend neue Mitglieder - gerne auch Jüngere", sagt Peter Pott, der selbst so lange als Vorsitzender dem Verein beistehen will, wie er kann. "Ich bin froh, dass wir einige neue Mitglieder für die Vorstandsarbeit gewinnen konnten."

So wird sich Gerhard Hosenberg (63) aus Weckhoven ab jetzt als neuer erster Vize des Vereins engagieren. Agathe Skirlo wurde zur neuen Schriftführerin gewählt.

Und die Grützwurst? "Die kommt bei der Neusser Kreisgruppe der Landsmannschaft schon seit Jahren sehr gut an. Vor allem mit dem Sauerkraut. Ich schätze, dass heute fast 200 Würstchen verspeist wurden", erzählt Metzgermeister Rolf Seidenberg, der mit seiner Grützwurst einen Teil der ostpreußischen Kultur bewahrt.

(NGZ)