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Neusser Mosaike: Dem Fackelbau-Handwerk auf der Spur

„Neusser Mosaike“ : Dem Fackelbau-Handwerk auf der Spur

Was wäre der Fackelzug ohne die großen, beleuchteten Motivwagen? Wo und wie sie gebaut werden, zeigt Hallen-Chef Peter Ritters den Teilnehmern der „Neusser Mosaike“-Tour am 1. September, zu der Neuss Marketing und NGZ einladen.

Wenn mehrere tausend Schützen, begleitet von Marschmusik, mit Pechfackeln durchs nächtliche Neuss ziehen, entsteht eine Atmosphäre, deren Zauber sich kaum jemand am Straßenrand entziehen kann. Doch die Zuschauer warten mit Spannung auf etwas anderes: die großen, von innen erleuchteten Motivwagen, die in Neuss schlicht „Fackeln“ genannt werden. Völlig PS-frei werden sie von den Schützen durch die Straßen geschoben. Mit szenischen Darstellungen und Versen auf Transparenten kommentieren sie lokale Ereignisse und das aktuelle politische Geschehen, nehmen Bezug auf schützenfestliche Jubiläen oder wollen mit bekannten Kinder-Figuren und überraschenden Wasser-Attacken Freude machen.

Der Fackelbau in Neuss blickt auf eine gut 90-jährige Tradition. Dass in den Großfackeln jede Menge Arbeit steckt, ist jedem grundsätzlich klar. Wie die fahrbaren Kunstwerke aber genau entstehen, das können Interessierte am 1. September auf Einladung von Neuss Marketing und NGZ bei der Besichtigung der Fackelbauhalle an der Karl-Arnold-Straße erfahren. In der Touren-Reihe „Neusser Mosaike“ zeigt Hallen-Chef Peter Ritters, aus welchen Materialien Wagen und Puppen gefertigt werden, was so eine Figur „drunter“ trägt, welche Probleme die Fackelbauer mitunter zu lösen haben und wie gewährleistet ist, dass die Wagen im Anschluss an den Fackelzug wieder an ihren angestammten Platz gefahren werden. Das Gute an dem nach-schützenfestlichen Termin: Niemand muss befürchten, dass vor dem großen Auftritt etwas beschädigt wird. Immerhin stecken beispielsweise in einer Pferdefigur gut 15 bis 20 Stunden Arbeit, wie Kenner Peter Ritters schätzt.

Der 72-Jährige ist selbst erfahrener Fackelbauer, hat als Oberleutnant mit seinem Schützenlustzug „R(h)einrassige“ in 50 Jahren 33 Motivwagen fertiggestellt. Er erinnert sich noch gut an die Zeiten, als die Fackelbauer über das Stadtgebiet verteilt waren. „Damals waren einige Züge in der alten Kerzenfabrik vor dem Obertor untergebracht. Viele sind von einem Abbruch-Objekt zum nächsten gezogen“, erzählt er. Eine „Heimat“ erhielten die fleißigen Schützen dann in verschiedenen ehemaligen Werks- oder Lagerhallen wie der Zietzschmann-Halle an der Düsseldorfer Straße, den Cretschmar-Hallen am Hafenbecken oder der Halle hinter dem Theater am Schlachthof. Dort arbeiten die Fackelbauer des Jägerkorps bis heute. Sie haben damit nicht nur den wohl weitesten Weg zu ihrem Aufstellungsplatz an der Erftstraße, sondern müssen sich den Platz zudem mit den Karnevalisten und deren Wagen fürs Winterbrauchtum teilen. Hubertuskorps (in diesem Jahr neun Fackeln), Gilde (6) und Schützenlust (21) führen seit einigen Jahren in der alten Frachthalle der Deutschen Bahn am ehemaligen Containerbahnhof eine friedliche Co-Existenz.

Bereits als Vierjähriger hat Ritters seinem Vater und dessen Kameraden beim Fackelbau zugeschaut. Ritters erkennt auf einen Blick, welcher Fackelbauer etwas kann, und er weiß, worauf es beim Fackelbau ankommt. Hat einer wie er, der im Laufe der Jahre so viele Fackeln gesehen hat, ein Motiv besonders in Erinnerung? Da muss Ritters nicht lange nachdenken: „Toll war die Fackel eines Jägerzuges: ein Brauerei-Zug mit einem Gespann, das geradezu lebensecht wirkte“, berichtet er begeistert.

(NGZ)