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Neuss: Neusser mit Zweitjob in Aserbaidschan

Neuss : Neusser mit Zweitjob in Aserbaidschan

Markus Seipelt arbeitet als Physiotherapeut in Neuss. Doch er hat einen Zweitjob: Er betreut Ringer aus Aserbaidschan.

Medaillen für Physiotherapeuten gibt es bei Olympischen Spielen nicht. Eigentlich schade für Markus Seipelt, denn sonst hingen nun zweimal Gold, zweimal Silber und dreimal Bronze in seinem Büro bei der Savita Rehabilitations- und Gesundheits-GmbH in Neuss. Stattdessen steht dort ein Modell-Skelett mit Schalke-Trikot und und ein metallener Medizin-Koffer. "Den hatte ich auch bei Olympia dabei", erzählt der 47-Jährige und zieht daraus seinen Olympia-Ausweis hervor.

Nur mit dem durfte der Physiotherapeut in das olympische Dorf und zu den Wettkämpfen in London. "Physiotherapist" steht unter seinem Namen, und darunter der seines Teams: "Azerbaijan". Warum aber betreut ein Neusser ausgerechnet das Ringer-Team eines Landes, von dem die meisten Deutschen nicht einmal wissen, wo es liegt? "Angefangen hat alles mit der Hockey-EM der Damen", erzählt Seipelt. Die fand 2011 in Mönchengladbach statt. "Und völlig überraschend hatten sich dafür auch die Damen aus Aserbaidschan qualifiziert." Der aserbaidschanische Verband wurde auf der Suche nach einem Physiotherapeuten auf Markus Seipelt aufmerksam. Nur drei Tage dauerte die Vorbereitung auf das Turnier, bei dem Aserbaischan als Siebter von acht Teilnehmern immerhin die italienischen Hockey-Damen besiegte. Seipelt nutzte seinen Auftrag, um einen bleibenden Eindruck bei den Sportlerinnen zu hinterlassen – und beim Verband. Der meldete sich im gleichen Jahr erneut, dieses Mal für die Weltmeisterschaft im Ringen. "Ringen in Aserbaidschan so populär wie bei uns Fußball", erzählt Seipelt Ein großer Auftrag also. Der Neusser flog für 14 Tage in die Hauptstadt Baku und bereitet rund 50 Sportler auf die Weltmeisterschaft in Istanbul vor. Das ganz große Ereignis stand da aber noch bevor: Olympia 2012. Wieder ist Markus Seipelt dabei. Wieder reist er nach Aserbaidschan und danach für zwei Wochen zu den Spielen nach London. Er wohnt mit den Athleten im olympischen Dorf.

Der Physiotherapeut ist begeistert von der Atmosphäre in dem Sportler-Camp und bei den Spielen. "An einen olympischen Geist habe ich vorher nicht geglaubt, aber dort gibt es ihn tatsächlich", sagt Sepielt rückblickend. Das liege vor allem an den vielen Sportlern, für die eine Olympia-Teilnahme die Erfüllung eines Lebenstraums ist. "Das gilt für die meisten, weil nur wenige echte Sieg-Chancen haben", hat Seipelt beobachtet. "Das ist eine Familie." In der großen Mensa aß er mit den Athleten und erlebte etwa die US-Basketball-Stars hautnah. Das wichtigste aber waren natürlich die zehn Ringer aus Aserbaidschan, die er betreute. "Sie liegen mir natürlich am Herzen, weil ich msie begleitet habe und sie mir völlig vertrauen." Ab und zu, berichtet Seipelt, kommen immer noch SMS von den Sportlern, denen er zu Olympia-Medaillen verholfen hat.

2013 steht die nächste Ringer-WM an, noch in diesem Jahr fliegt Seipelt wieder nach Aserbaidschan, um die Details zu klären. Und er schaut sogar schon darüber hinaus. "Jetzt geht auch schon die Vorbereitung der Sportler auf Rio de Janeiro los." Dort finden in vier Jahren die Olympischen Spiele statt. Markus Seipelt will wieder dabei sein.

(NGZ)