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Neuss: Neusser – mit türkischer Wurzel

Neuss : Neusser – mit türkischer Wurzel

Heute leben 6200 Türken in Neuss. Für viele ist die Stadt zur (zweiten) Heimat geworden. Alles begann vor 50 Jahren. Am 31. Oktober 1961 schlossen Deutschland und die Türkei das so genannte "Anwerbeabkommen".

Bülent Öztas (47) fühlt sich "wohl, beschützt und dazugehörig", Erdal Altuntas (48) hat in Erfttal ein Haus gekauft. "Wer Eigentum erwirbt", sagt Uwe Manke (54) vom städtischen Integrationsbüro, "der ist angekommen". Für Stefan Hahn (44), den Sozialdezernenten, haben die Türken, die in den vergangenen 30, 40 Jahren kamen, "die deutsche Gesellschaft verändert".

Die Geschichte der Türken in Deutschland begann vor 50 Jahren. Am 31. Oktober 1961 schlossen die Bundesrepublik und die Türkei das so genannte Anwerbeabkommen. Die deutsche Industrie benötigte Arbeitskräfte und fand "Gastarbeiter" im Süden des Kontinents, so auch in der Türkei. Viele kamen — auch nach Neuss, viele blieben — obwohl sie einen anderen Plan hatten. Integration bleibt allen dynamischen Prozessen in der Gesellschaft zum Trotz ein Thema. So hat die Stadt Neuss jetzt einen Förderpreis ausgeschrieben, der an Gruppen oder Einzelpersonen geht, die sich in "vorbildlichem Maße um die Integration verdient gemacht haben" und "für eine gegenseitige Anerkennung der Kulturen" eintreten.

Für Bülent Öztas haben Defizite bei der Integration viel mit Mangel an Information und Bildung zu tun: "Es ist nicht so, dass die Ausländer nicht wollen. Sie wissen nicht, wie es geht." Der Mann weiß, wovon er spricht. Er selbst kam als Achtjähriger nach Deutschland, lernte die Sprache, kämpfte sich durch, studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und ist heute Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Ortsverein Neuss. Sein Vater habe mit ihm Deutsch gelernt. Das sei nicht selbstverständlich. Oftmals liege die Barriere im Elternhaus. Darum: "Je jünger die Kinder sind, die wir mitnehmen wollen und müssen, umso besser." Und: "Entscheidend für erfolgreiche Integration sei nicht das Herkunftsland, sondern die soziale Schicht, aus der einer stammt."

Auch Erdal Altuntas kam vor 40 Jahren nach Deutschland; arbeitet seit 1981 bei Alu Norf, ist dort Betriebsrat, hat die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen, engagiert sich in der Derikumer Moschee und lebt mit seiner Familie in Erfttal. Deutschland sei ihm Heimat geworden: "Gern würde ich im Alter in beiden Ländern leben." Am Arbeitsplatz sei er akzeptiert: "Das läuft richtig gut." Aber der Kontakt trage nicht bis ins Privatleben hinein: "Auf der Straße grüßt man mich selten." Auch spüre er die Blicke der anderen Gäste, "wenn wir ein deutsches Restaurant betreten. Meine Frau trägt nämlich Kopftuch." Aber Altuntas hat Hoffnung: "Es wird besser. Integration heißt doch, den Nachbarn akzeptieren." Er selbst hat ein kleines Schild dabei. Auf dem steht: "Respekt!"

Info Auskünfte zum Integrationspreis; Uwe Manke 02131 905075

(NGZ)