Neuss: Neusser mit Echo ausgezeichnet

Neuss: Neusser mit Echo ausgezeichnet

Der Musikproduzent Peter "Jem" Seifert, mit seiner Band erster Rockförderpreisträger der Stadt, arbeitet heute als Musikproduzent und bekam für das "Ich + Ich"-Album "Gute Reise" einen Echo in Berlin.

Selbst das große Stimmengewirr im Hintergrund kann nicht verdecken, wie groß die Freude bei Peter Seifert ist. Zusammen mit seinen Kollegen Andreas Herbig, Florian Fischer und Sebastian Kirchner hat der Neusser in Berlin als einer der ersten einen Echo verliehen bekommen. Dass ihm dieser schon am Vorabend der gestrigen Preisverleihung ohne den ganz großem Künstleraufmarsch übergeben wurde, mindert seine Aufregung nicht im geringsten. "Das ist ein echter Knaller", sagt derr 36-Jährige, der jetzt zum "Erfolgreichstes Produzententeam National" gehört. Die Auszeichnung gab's für die Produktion des Albums "Gute Reise" von "Ich+Ich" — klar, dass auch die beiden Hauptakteure, Sänger Adel Tawil und Komponistin Annette Humpe, sich diese Ehre nicht entgehen ließen.

Dass Peter Seiferts Zukunft zwar in der Musik, aber mehr im Hintergrund liegt, war nicht unbedingt vorherzusehen. In einer Familie mit einem Akkordeon und Gitarre spielenden Vater ("eine Partygranate", wie Seifert sagt), singender Mutter und Tanten aufgewachsen, lag ihm das Musikmachen nämlich viel näher. Er lernte Gitarre an der Musikschule, gründet als Schüler in Neuss die Band "Jem" und gewann 1992 gleich bei der ersten Auflage des Wettbewerbs den Rock- und Popförderpreis der Stadt. Damit verbunden war eine Studioaufnahme — und da begann, was jetzt preisgekrönt wurde. In den Blacksheep Studios des Neusser Keyboarders Jürgen Dahmen "habe ich Blut geleckt", erzählt Seifert lachend, "ich merkte, wie viel Spaß es macht, zu mixen." Dass er nach dem Abi in der Musik bleiben wollte, war für ihn ohnehin klar, und so erlernte die Studiarbeit "von der Pike auf" in einem größeren Düsseldorfer Studio und war dabei mit seiner Band Jem manchmal sein eigener Kunde.

Irgendwann trennten sich die Musiker, Peter Seifert aber behielt den Namen bei und ist als Jem in der Szene längst eine Marke. Herbert Grönemeyers Album "Bleibt alles anders" 1998 markiert den Beginn eines Weges, den die Sportfreunde Stiller und Reamonn ("Supergirl", "Josephine") ebenso kreuzten wie Phillip Boa und Udo Lindenberg kreuzten. "Ja, es läuft gut", sagt Peter Seifert, der als Freelancer arbeitet, ein eigenes mobiles Studio hat, aber auch im Team mit seinen Echo-Kollegen arbeitet. Wobei die CDs grundsätzlich in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Musikern/Sängern entstehen: "Aber wir bringen die Objektivität rein." Dass er damit kaum noch im Rampenlicht steht, vermisst der Vater einer zehnjährigen Tochter nicht im geringsten. "Das hatte ich lange genug", sagt er lachend. Und ein bisschen Musik macht er immer noch, ist auf mancher CD als Gitarrist oder Schlagzeuger dabei.

(NGZ)