Neusser Konditoren arbeiteten für Konrad Adenauer

Zwei Konditoren mit Diaman-Meisterbrief : Ein Duo schrieb Konditorgeschichte

Mit ihren Köstlichkeiten haben die Konditorenmeister Willy Streitberg (86) und Willi Flörke (84) Neusser Bürger und prominente Politiker jahrzehntelang beglückt. Jetzt erhielten die beiden ihre Diamantenen Meisterbriefe.

Uhlenbrock, Adenauer, Mandelkranz. Die beiden rüstigen Herren spielen sich die Anekdoten wie einen Ball hin und her, und bei jedem zweiten Satz denkt man: Vorlage, Schuss, Treffer, versenkt. Aber das ist natürlich kein Zufall. Willy Streitberg (86) und Willi Flörke (84) kennen sich im Grunde fast ihr ganzes Leben. Beide haben sich in den 1950er Jahren im Café Uhlenbrock kennengelernt, dort arbeiteten die beiden. Sie gingen schließlich zusammen zur Meisterschule, machten ihren Meister als Konditor – und sitzen an diesem Mittag in den Neusser Räumen der Kreishandwerkerschaft Niederrhein zusammen. Dort werden die beiden, die sich zwar nie selbstständig gemacht aber dennoch ein Stück Neusser Konditorgeschichte geschrieben haben, geehrt. Zum 60-Jährigen erhalten sie den Diamantenen Meisterbrief.

Kreishandwerksmeister Rolf Meurer würdigt das Duo. Und dann sagt er einen Satz, der die Bedeutung der Auszeichnung unterstreicht. „Wer den Goldenen Meisterbrief erreicht, der ist gesegnet“, sagt Meurer. „Aber ein Diamantener Meisterbrief ist fast wie die Nadel im Heuhaufen.“ Für Paul Neukirchen, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, ist es eine Ehre, bei der Feierstunde dabei zu sein. Schon sein Vater kannte Willi Flörke und Willy Streitberg. Und Konrad Adenauer schätzte den Mandelkranz, an dem die beiden mitgearbeitet haben. „Er wurde dem Alten von Rhöndorf regelmäßig gebracht“, sagt Willi Flörke. Und dann sprudeln die Anekdoten nur so aus ihm und Willy Streitberg heraus.

Ein Fixpunkt in ihrem Leben blieb immer das Café Uhlenbrock. Dabei hat das Duo die traditionsreiche Konditorei zwischendurch auch verlassen. Willi Flörke zog es Ende der 1950er Jahre nach Ulm, aber die alte Heimat Neuss sollte bald wieder nach ihm rufen. „Martin und Agnes Uhlenbrock besuchten mich. Und Frau Uhlenbrock fragte: ,Flörke, was willst du hier?’ Sie wollte, dass ich wieder nach Neuss komme“, erzählt Flörke. 1965 ging es zurück in die Quirinus-Stadt. Heute lebt der 84-Jährige mit seiner Frau Inge in Uedesheim. Das Paar hat einen Sohn und einen Enkel.

Willy Streitberg ist ebenfalls viel herumgekommen. Er arbeitete als Pâtissier im Breidenbacher Hof und später im Bundeshaus in Bonn. Adenauer, Heuss, Eisenhower – der Konditormeister hat reichlich Polit-Prominenz als Gäste erlebt. Über das Parkhotel Bad Godesberg und die Schweiz kam er schließlich zurück nach Neuss. Streitberg, auf der Furth aufgewachsen – seine Eltern führten dort eine Gaststätte („Die Leute sagten immer: Wir gehen zu Streitbergs Käthchen“) –, schwärmt vom „alten Senior-Chef Uhlenbrock“ noch heute in den höchsten Tönen. Man merkt beiden, Streitberg und Flörke, an, dass sie eine besondere Bindung zu ihrem alten Arbeitgeber hatten. „So einen Chef vergisst man nicht“, lobt Streitberg.

Heute lebt Willy Streitberg mit seiner Frau in Wehl. Das Paar hat zwei Töchter und zwei Enkel. Was er am Konditorberuf liebt? „Das Künstlerische – zum Beispiel, wenn man Marzipanfiguren formt.“