Neusser Klinik-Gruppe: Zwei-Bett-Zimmer wird Standard

Interview mit Paul Neuhäuser: Augustinus-Klinik-Gruppe macht Zwei-Bett-Zimmer zu ihrem Standard

Paul Neuhäuser (59), der Vorsitzende der Geschäftsführung über ein christliches Leitbild, wirtschaftliche Zahlen und Chancengleichheit im Wettbewerb mit Krankenhäusern in kommunaler Trägerschaft.

Herr Neuhäuser, Ihr Investitionsplan sieht vor, dass die St. Augustinus-Gruppe bis zum Jahr 2022 insgesamt 192 Millionen Euro investieren. Was haben Sie vor?

Paul Neuhäuser Im Zentrum unseres Planens und Handelns steht immer der Mensch - ob als Patient, als Klient, als Bewohner und gerade auch als Mitarbeiter. So unternehmen wir eine große Kraftanstrengung, um als erster Krankenhaus-Träger der Region standardmäßig nur noch Zwei-Bett-Zimmer anzubieten. Das wollen wir spätestens am Ende des Fünf-Jahres-Planes erreicht haben. Diesem Ziel dient auch der Ausbau des Johanna-Etienne-Krankenhauses, aber auch der unserer Kliniken in Königshof und Neuwerk.

Regieren Sie mit dem Ausbau auf verstärkte Nachfrage? Das „Etienne“ meldete zuletzt immer steigende Patientenzahlen.

Neuhäuser Die Nachfrage ist in der Tat sehr hoch. Das „Etienne“ ist das am stärksten wachsende Krankenhaus in der Region. Während die Patientenzahlen im Rheinland in 2017 mit einer Steigerung von 0,4 Prozent eher stagniert, legt unser Krankenhaus Jahr für Jahr vier bis fünf Prozent zu. Diese Entwicklung hält auch in 2018 an. Wir wollen erstklassige Medizin, erstklassige Versorgung in einem Ambiente, das den Heilungsprozess fördert, darum investieren wir.

Gilt das auch für das St. Alexius-/St. Josef-Krankenhaus?

Neuhäuser Da können wir durch den Bau des so genannten „fünften Fingers“ wirklich die Kapazität um 30 vollstationäre Plätze erhöhen. Asserdem wird die Ambulanz in neuen Räumlichkeiten untergebracht.

Die St. Augustinus-Gruppe muss finanziell gesund sein, wenn Sie all diese Investitionen stemmen?

Neuhäuser Im Vorjahr haben wir 27 Millionen Euro investiert - aus der eigenen Liquidität heraus und dennoch gleichzeitig unsere Verbindlichkeiten reduziert.

Dann liegt das Konzernergebnis wie in den Vorjahren wieder über acht Millionen Euro?

Neuhäuser Mit einem Umsatzplus haben wir die 300-Millionen-Euro-Marke deutlich übertroffen und auch mit zehn Millionen Euro ein sehr gutes Konzernergebnis erzielt. Das Geld benötigen wir aber auch, um unsere gewaltigen Investitionen tätigen zu können.

Der Gewinn verbleibt ja im Unternehmen ...

Neuhäuser ... da wir eine gemeinnützige GmbH sind. Unser Hauptgesellschafter ist die Stiftung der Neusser Augustinerinnen, Cor unum, und unser Auftrag ist es, die karitativen, sozialen und medizinischen Einrichtungen für den Orden zukunftssicher zu machen und dabei Gutes zu tun - fachlich und menschlich. Unser Erfolg ist ein Mehrwert für alle Menschen und nicht der Gewinn der Gesellschafter.

Mit der Liegenschaft der Schokoladenfabrik an der Stresemannallee, Ecke Augustinusstraße, verfügen Sie noch über eine tolle Reserve. Was haben Sie mit dem Grundstück und den Aufbauten vor?

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Neuhäuser Da gibt es keine konkreten Pläne. Es machte damals Sinn das Areal zu kaufen, weil es das benachbarte Grundstück des Mutterhauses arrondiert. Jetzt hat es die Funktion eines Reservegrundstückes. Schauen wir mal.

Sie stellen unüberhörbar die Werte Nächstenliebe und Menschlichkeit in den Mittelpunkt Ihrer Unternehmensphilosophie. Was kommt davon bei der Belegschaft an?

Neuhäuser Ich bin überzeugt: sehr viel. Bei uns arbeiten knapp 5200 Menschen aus 68 Nationen in 58 Berufen; viele können das in Teilzeit tun. Drei von vier Mitarbeitern sind weiblich. Unser Ziel ist es, den Mitarbeitern Sicherheit eines starken Arbeitgebers zu geben und sie in einem angenehmen Umfeld arbeiten zu lassen. Auch dafür investieren wir. Zufriedene Mitarbeiter umsorgen unsere Patienten fachlich gut und menschlich liebevoll. Außerdem zahlen wir ordentlich. Durchschnittlich erhält ein Mitarbeiter - über den gesamten Pflegedienst gesehen - einen Lohn in Höhe von 48.000 Euro brutto pro Jahr für den Arbeitnehmer.

Davon sind Auszubildende aber weit entfernt.

Neuhäuser Jede zehnte Vollzeitkraft ist bei uns ein Auszubildender. Wir bilden 336 junge Frauen und Männer in 13 Berufen aus. Und für die gilt: Die Krankenpflege-Ausbildung ist die am zweitbesten bezahlte Ausbildung in Deutschland, nur die angehenden Binnenschiffer erhalten noch mehr Geld.

Dennoch gilt: Auch Sie suchen händeringend nach Personal. Richtig?

Neuhäuser Ja. Es gibt ausreichend Stellen, die Frage ist: Wie kann ich die Stellen besetzen. Gott sei Dank haben wir in der Altenpflege alle Stellen besetzt, so dass wir in diesem Segment alle unsere 757 Plätze plus der 29 teilstationären Plätze in neun Altenheimen zu 99,5 Prozent belegt haben.

Wie werben Sie, um neue Mitarbeiter zur St. Augustinus-Gruppe zu locken?

Neuhäuser Wir werben kräftig, weil unser Stellenplan alljährlich um vier, fünf Prozent wächst. Wer bei uns arbeitet, der geht einer sinnvollen Tätigkeit nach, weil er beruflich den Menschen dient. Das tut er bei einem werteorientierten Arbeitgeber. Das ist ein bodenständiger Mehrwert in einer immer unüberschaubarer werdenden Welt.

Was sagen Sie zum zähen Ringen um die Fusion der drei kommunalen Krankenhäuser im Rhein-Kreis Neuss?

Neuhäuser Grundsätzlich sind wir an einer stabilen Krankenhaus-Landschaft im Rhein-Kreis interessiert, wobei Größe nicht allein die Stabilität garantiert wie wir soeben bei den taumelnden städtischen Kliniken in Köln lernen. Wir stehen im Rhein-Kreis mit unseren vier somatischen Krankenhäusern gut da. Das gilt für die Kreis-Kliniken in Dormagen und Grevenbroich, das gilt fürs „Lukas“ in Neuss und auch für unser „Etienne“ in der Neusser Nordstadt mit der starken Neurologie und dem wesentlichen Anteil am Brustkrebszentrum.

Sie haben gegen die Fusion der beiden Kreis-Kliniken mit dem Neusser „Lukas“ also keine grundsätzlichen Einwände?

Neuhäuser Jeder ist seines Glückes Schmied. Mich betrübt allerdings, dass die Kreis-Kliniken in nicht unerheblichem Maß durch den Zufluss öffentlicher Mittel aufgewertet werden. Das wundert mich schon, wenn ich da über Chancengleichheit nachdenke.

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