1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Neusser Kapellen-Schönheit

Neuss : Neusser Kapellen-Schönheit

Im Zentrum der Großbaustelle an der Preußenstraße versteckt sich ein sakrales und kulturelles Kleinod: 150.000 Euro stehen bereit, damit der Mönchengladbacher Künstler Heinz Mack das Marianum-Gotteshaus komplettiert.

Nur wer einen Schlüssel besitzt, der kann diesen Schatz entdecken, der im Verborgenem schlummert. Wilfried Raabe, der den Umbau des Marianum-Komplexes leitet, vermag die Tür zu öffnen, hinter der sich ein sakrales Kleinod und kulturelles Gesamtkunstwerk von nationalem Rang verbirgt: die Neusser Mack-Kapelle.

Wenn der Mönchengladbacher Künstler im März 2011 seinen 80. Geburtstag feiert, sollen in dem Gotteshaus wieder Messen, Hochzeiten und Taufen möglich sein. Zuvor kommt Arbeit auf Heinz Mack zu. Er soll sein Gesamtkunstwerk um einen Kreuzweg, zwölf Glasfenster und eine spezielle Beleuchtung ergänzen.

Dafür wird der Freundes- und Förderkreis rund 150 000 Euro bereitstellen. Das kündigt Vorsitzender Heinz Sahnen an. Er sammelt derzeit Geld für das Projekt. Aus einer kirchlichen Stiftung erwartet er zirka 40 000 Euro, 10 000 Euro wird die Jubiläumsstiftung der Sparkasse beisteuern, Privatspenden sind eingetroffen.

"Weitere Anfragen laufen", sagt Sahnen, der diese verborgene Neusser Schönheit wieder erlebbar machen möchte. Die Voraussetzungen sind geschaffen. Vertraglich wurde fixiert, dass jährlich 30 Gottesdienste und Veranstaltungen in der Kapelle abgehalten werden dürfen. Das ist nicht selbstverständlich, denn das Marianum-Gebäude wird vom Investor Lycon derzeit zu Eigentumswohnungen umgebaut.

Wenn Heinz Mack demnächst mit der Arbeit in der Kapelle beginnt, wird es keine Querelen wie in den 1980er Jahren geben. Damals hatte der Lichtkünstler und Bildhauer sein Konzept für die Ausgestaltung der 1908 gebauten Kapelle im Ostflügel des ehemaligen Notburgahauses vorgelegt.

In 70 Jahren war die Kapelle unansehnlich geworden. Die Ausgestaltung beim Neubau hatte der Neusser Hein Minkenberg besorgt, dessen Handschrift und Werke in vielen Kirchen zu entdecken sind. Nun sollte mit Mack einer den Auftrag erhalten, der bis dato keine sakralen Arbeiten abgeliefert hatte. Die Idee stieß nicht auf ungeteilte Freude.

Trotz der Widerstände ließ sich Mack auf das Wagnis ein. Die Entscheidung für Mack traf damals der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höpfner. So kam es zum Gesamtkunstwerk mit den Fenstern zur Schöpfungsgeschichte über Orgelgehäuse und Marienskulptur bis hin zum Messgewand.

Dieser Ort der Andacht und der Kunst überstand die Umbaupläne und wartet nun auf seine Komplettierung. Neuss und die Neusser dürfen sich freuen, wenn die Kapelle im März wieder regelmäßig ihre Türe öffnet — dann ohne Schlüsselhilfe von Wilfried Raabe.

(NGZ)