Konzert des Neusser Kammerorchesters Bruckners 7. Sinfonie verführerisch gut durchhörbar

Neuss · Das Neusser Kammerorchester begeisterte am Wochenende die Gäste in der Quirinus-Basilika, wo es die 7. Sinfonie von Anton Bruckner präsentierte.

 Das Nachtkonzert fand in der Quirinus-Basilika statt.

Das Nachtkonzert fand in der Quirinus-Basilika statt.

Foto: Frank Kirschstein

(nima) Am Mittag war Münsterkantor Joachim Neugart, der seit 1999 auch das Neusser Kammerorchester (NKO) leitet, noch recht verzweifelt. „Im Vorverkauf sind nur 40 Karten weggegangen“, machte er deutlich. Am Abend waren dann zum Nachtkonzert in der Quirinusbasilika doch gut 100 Zuhörer.

Einer der Besucher, der an der Abendkasse geordert hatte, war nach dem Konzert richtig glücklich: „Es war eine spontane Idee von mir und ich bin nun hocherfreut“, sagte er. Das NKO spielte die siebte Sinfonie von Anton Bruckner, allerdings in der Bearbeitung für Kammerorchester, die Arnold Schönberg an seine Schüler Hanns Eisler (Erster und dritter Satz), Erwin Stein (Zweiter Satz) und Karl Rankl (Vierter Satz) in Auftrag gegeben hatte.

Diese Fassung war im Jahr 1921 fertig, wurde aber erst 1994 uraufgeführt. Jede Stimme wird von nur einem Instrument gespielt: Klarinette, Horn, Harmonium (in der Neusser Aufführung ersetzt durch Akkordeon), Pauke, Klavier (vierhändig) und Streichquintett.

Letzteres hatte Joachim Neugart durch das ganze Kammerorchester ersetzt – dieses Pasticcio kam schon der Einleitung zum ersten Satz zugute, in der sechs Violoncelli, verstärkt durch zwei Kontrabässe, eines der eindrucksvollsten Themen aller neun Sinfonien Bruckners vorstellten.

Bei der Steigerung zum Ende dieses Satzes ging dem Kammerorchester deshalb nicht die Puste aus, und auch den finalen Säbeltanz im Fortissimo meisterte das gesamte NKO, auf 35 Instrumentalisten erweitert, überzeugend besser als das ein Streichquintett vermocht hätte. „Dabei bleibt das Original verführerisch gut durchhörbar, diese Fassung erlaubt ein transparentes Hören“, sagt der Dirigent.

Der eigentliche Höhepunkt dieser populärsten Sinfonie Bruckners – der Spätromantiker musste 60 Jahre alt werden, um mit ihr einen Welterfolg zu landen – aber ist der zweite Satz „Adagio. Sehr feierlich und sehr langsam“. Die Coda gehört zur ergreifendsten Trauermusik des 19. Jahrhunderts, auch wenn in der Kammermusikfassung die vier Wagnertuben mit ihrer Tiefenwirkung fehlen. Denn Bruckner hat sie unter dem Eindruck des Todes vom verehrten Richard Wagner am 13. Februar im Jahr 1883 geschrieben.

Das originelle Arrangement großer Symphonik spielte das Neusser Kammerorchester in begeisternder Professionalität. Das bestätigte der überaus lange Beifall. So bleibt zu hoffen, dass die Liveaufnahme in der Quirinus-Basilika als Geheimtipp auf CD erscheint.