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Neusser Jugendzentrum InKult verschenkt Zuckertüten zum Zuckerfest.

Kennenlernen der Kulturen in Neuss : Zuckertüten zum Zuckerfest

Das heilige Fest zum Ende des Ramadan fällt dieses Jahr ernüchternd aus. Doch im Neusser Jugendzentrum InKult haben sie sich etwas überlegt.

Am Mittwochabend endete der islamische Fastenmonat Ramadan für Millionen Muslime. Traditionell wird das Fastenbrechen in großer Gemeinschaft aus Freunden und Familie bis zu drei Tage lang zelebriert. Doch wie im vergangenen Jahr können Gläubige das heilige Zuckerfest in der Pandemie erneut nur mit dem engsten Familienkreis feiern.

„Es fehlt etwas, aber das ging den Menschen an Weihnachten ja genauso“, sagt Umut Ali Öksüz, Vorsitzender der Interkulturellen Projekthelden aus Neuss. Der Verein, der regelmäßig Kulturprojekte anstößt, ist auch Träger des Jugendzentrums InKult im Augustinusviertel.

Dort kommen Jugendliche vieler verschiedener Ethnien zusammen und egal, ob Weihnachten, Ostern oder eben Ramadan und das Zuckerfest – jedes religiöse Fest wird dort besonders gefeiert, denn das schaffe kulturelles Verständnis und Akzeptanz füreinander. So erklärt es Öksüz: „Mit kulturübergreifenden Aktionen ermöglichen wir Kindern und Jugendlichen schöne Erinnerungen und fördern den Respekt untereinander. Die Corona-Pandemie darf die soziale und interkulturelle Arbeit nicht beinträchtigen.“ Auch zum Zuckerfest haben sie sich im InKult wie jedes Jahr etwas überlegt.

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Wurde im vergangenen Jahren noch ein Eiswagen angemietet, haben Emine Avci vom Basteltreff und der junge Mikail Öksüz eine Art großes Wichteln für alle Kinder- und Jugendlichen aus Neuss organisiert – auch für die, die nicht aus einem muslimisch geprägten Haushalt kommen oder nicht so regelmäßig ins Jugendzentrum kommen, werden beschenkt: mit Zuckertüten, die neben Süßigkeiten auch Dinge wie Schreibblöcke, Stifte oder Actionfiguren enthalten. Über zwei Wochen haben rund 50 Jugendliche zeitversetzt in Fünfergruppen – denn mehr dürfen gerade nicht im Jugendzentrum zusammenkommen – die Zuckertüten zusammengestellt und gepackt. Der Bedarf, im InKult auf Gleichaltrige zu treffen, sei gerade groß, sagt die stellvertretende Leiterin Marianne Bouguettaya: „Über die sozialen Medien erreichen uns täglich zahlreiche Anfragen.“

Der Austausch in kleinen Gruppen über den besonderen Feiertag des Islam sei diesmal fast intensiver gewesen als in den Vorjahren, sagt Öksuz: „Viele Jugendliche hatten bisher keinen Kontakt mit dem Zuckerfest, da gab es dann natürlich einige Fragen: ‚Warum feiert ihr das?‘, ‚Ah, das ist also ein bisschen wie bei uns Weihnachten‘.“ Es sei wichtig, sagt Öksuz, solche Begegnungen zu ermöglichen, Jugendliche interaktiv mit verschiedenen Religionen und Kulturen vertraut zu machen. Gerade angesichts des Leids, dass in der Welt aufgrund unterschiedlichen Glaubens geschehe. Zu zeigen: „In Deutschland läuft das anders.“

Schon zu Weihnachten verschenkten die Jugendlichen des InKult hunderte Geschenke an Flüchtlingsheime. Die Zuckertüten sollen nun in den kommenden Tagen kontaktlos überreicht und dann auch für Freunde mitgenommen werden dürfen.