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Neuss: Neusser Hospizdienste wachsen

Neuss : Neusser Hospizdienste wachsen

Immer mehr unheilbar Kranke wünschen sich, zu Hause sterben zu können. Die seelsorgerische Begleitung übernehmen in diesem Fall ambulante Hospizdienste. Die Zahl der Fälle der zwei Neusser Hospizdienste steigt.

Wenn Menschen unheilbar krank sind, brauchen sie nicht nur medizinische Versorgung, sondern auch soziale Betreuung, jemanden zum Reden, der ihre Sorgen und Nöte versteht, der ihnen Hoffnung gibt. Das leisten in Neuss zwei ambulante Hospitzdienste: der Häusliche Hospizdienst des Diakonischen Werks und der Ambulante Hospizdienst der Neusser Augustinerinnen.

Bei beiden Diensten ist in den vergangenen Jahren die Nachfrage nach Sterbebegleitungen gestiegen. So hat sich beim Diakonischen Werk die Zahl der Fälle seit dem Jahr 2005 verdoppelt — ein NRW-weiter Trend, wie der Verband der Ersatzkassen mitteilt, der die Hospizdienste in diesem Jahr mit 10,3 Millionen Euro fördert. "Jedes Jahr steigt die Fördersumme für die 209 Hospizdienste in NRW um rund eine Million Euro", sagt Verbandssprecher Dirk Ruiss.

Die Förderung der gesetzlichen Krankenkassen steigt, je mehr Fälle die Hospizdienste bearbeiten. In Neuss waren dies — beide Dienste zusammengenommen — im Vorjahr 75 Sterbebegleitungen. Hinter jedem dieser Fälle verbirgt sich ein kranker Mensch, der keine Chance auf Heilung mehr hat, der Zuwendung braucht. Aber auch dessen Angehörige, die auf Hilfe angewiesen sind. "Immer mehr Menschen wünschen sich, zu Hause sterben zu können", sagt Birgit Lotz, die bei den Augustinerinnen die Arbeit der Ehrenamtler koordiniert.

Die Betreuung der Kranken übernehmen Freiwillige — 40 Ehrenamtler engagieren sich bei den beiden ambulanten Neusser Hospizdiensten. Mit den Fördermitteln der Krankenkassen werden das hauptamtliche Personal sowie die Aus- und Fortbildungen der ehrenamtlichen Mitarbeiter finanziert.

"Es ist sehr wichtig, dass die Ehrenamtler geschult werden", sagt Cornelia Steiner, Hospizdienst-Koordinatorin bei der Diakonie. Etwa, um sich bei der 100-stündigen Ausbildung darüber klarzuwerden, ob dieses Ehrenamt wirklich das richtige ist. Aber auch, um während des Ehrenamts über die Tätigkeit als Sterbebegleiter zu reflektieren.

Betreut werden in erster Linie Krebspatienten ohne Heilungschance. Zumeist empfehlen Hausärzte oder die Ärzte der Palliativ-Station am Etienne-Krankenhaus die Kranken an die Hospizdienste. "Wir haben in den vergangenen Jahren ein breites Netzwerk aufgebaut", sagt Cornelia Steiner, die ebenso wie Birgit Lotz einer Schließung der Palliativ-Station kritisch gegenübersteht.

Auch die stationäre Betreuung sei wichtig, betonen beide. Dort wird medizinisch versorgt, werden Schmerzen gelindert. Nach der Entlassung kann dann ein Hospizdienst helfen. "Wir lassen niemanden allein", sagt Birgit Lotz.

(NGZ)