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Neuss: Neusser Gymnasiasten lernen jüdische Kultur kennen

Neuss : Neusser Gymnasiasten lernen jüdische Kultur kennen

Ganz vorsichtig berühren die Schüler die aus blauem Stoff bestickte Kippa. Die Siebtklässler des Nelly-Sachs-Gymnasiums drehen die typische jüdische Kopfbedeckung in den Händen, legen sie sich auf den Kopf.

Es fühlt sich komisch an. Sie lachen. "Die Kippa gibt es in verschiedensten Farben und Formen", erläutert Alexander Green, Museumspädagoge des Jüdischen Museum Berlin (JMB), den Schüler der Klasse 7d. "Sie wird als Zeichen von Gottesehrfurcht getragen."

Im Rahmen des Projekts "on.tour — Das JMB macht Schule" reist die mobile Ausstellung durch ganz Deutschland. Vom 14. bis 25. November besucht sie zehn Schulen in NRW. Das Projekt richtet sich an Schüler von weiterführenden Schulen. Ziel ist es, den Jugendlichen mehr über die jüdische Geschichte und Religion zu erzählen.

"Die meisten verbinden mit dem Judentum lediglich die Zeit während des Nationalsozialismus — sprich Deportation und Konzentrationslager", sagt Ulrike Granitzki vom JMB. "Dabei reicht die jüdische Geschichte knapp 2000 Jahre zurück. Die ersten Nachweise von jüdischen Gemeinden stammen aus dem Jahr 321 in Köln."

Deshalb soll den Schülern durch eine Ausstellung von Gegenständen, die zur jüdischen Kultur und Religion gehören, das Judentum näher gebracht werden. Und genau auf diesen Ausstellungsstücken sitzen die Schüler der 7d nun. In großen roten Würfeln sind zahlreiche Schaukästen integriert.

Dahinter verstecken sich Gegenstände, die zum Judentum gehören. Ein Würfel etwa beschäftigt sich mit religiösen Festen. Dazu gehört das Pessachfest, bei dem Juden die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei feiern. Auch der Schabat wurde ausführlich besprochen.

"Es war spannend zu erfahren, wie man den Schabat feiert", sagt Lea Kobbe (11) und zählt auf, was sie gerade gelernt hat: Zum Schabat braucht man drei Dinge: Die Schabat-Kerzen, das Brot und den Kidduschkelch." Ein weiterer Würfel trägt den Titel, "Chancen und Diskriminierung.

Die Schüler staunen, als Green ihnen erzählt, dass die berühmte Levis-Jeans von einem jüdischen Textilhändler erfunden wurde. Und auch die Nivea-Creme, die vor genau hundert Jahren entwickelt wurde, stammt von drei Juden: Oskar Troplowitz, Issac Lifschütz und Paul Unna. "Das habe ich nicht gewusst", sagt Jasmin Stadtmann (12).

Neben der Würfel-Ausstellung für die siebten Klassen gab es zudem auch einen Workshop des JMB für die Neunklässler des Nelly-Sachs-Gymnasiums. Sie beschäftigten sich mit dem Thema "Jüdische Kindheit und Jugend nach 1945".

(NGZ)