Neuss: Neusser für Neuss begeistern

Neuss : Neusser für Neuss begeistern

Neuss Marketing will mit einem Jahresetat von 500 000 Euro die Marke Neuss bekannter machen. Wichtigste Zielgruppe: Die Neusser selbst. Ob die Investition allerdings Zinsen trägt, ist schwer zu ergründen.

Mit dem Genießertreff kommende Woche in der Stadthalle verbindet Peter Rebig mehr als die Idee einer Leistungsschau der heimischen Gastronomie. Für den Geschäftsführer von Neuss-Marketing ist diese Veranstaltung auch ein Werbebanner. "Man muss immer wieder Anlässe bieten, damit die Neusser argumentieren können, warum Neuss toll ist." Das ist seine Idee von Stadtmarketing — und die Politik geht den Weg mit.

Rund 500 000 Euro hat Neuss-Marketing im Budget um, so der Gründungsauftrag der Gesellschaft, die Marke Neuss bekannt zu machen. Personalkosten inklusive. Große Streuverluste kann sich die Gesellschaft deshalb nicht erlauben. So sind die Neusser selbst die wichtigste Zielgruppe des Marketing — und alle, die in einem Umkreis von 50 Kilometern um die Stadt wohnen. "Meine Zielgruppe in einem vernünftigen Prozentsatz erreichen", nennt Rebig das. Aber: Gelingt das?

Ob das Geld für Marketing gut angelegt ist und Zinsen trägt, ist kaum messbar, gibt Rebig zu. Es gibt zwar Institute, die im Sinne einer Reichweitenforschung einen solchen Nachweis führen würden, weiß Klaus Karl Kaster, der für die CDU im Marketing-Beirat sitzt. Aber misstraut solchen Angeboten von Leuten, "die behaupten, den Durchblick zu haben." Deshalb: Kein Auftrag.

Gleichwohl versucht Neuss-Marketing, seine Arbeit messbar zu machen. Bezogen auf die Innenstadt wird dazu alljährlich eine Umfrage gemacht, "strukturiert, aber ohne wissenschaftlichen Anspruch", wie Rebig erklärt. Ergebnis der jüngsten Auswertung: Die Innenstadt verändert sich positiv. Darüber hinaus sieht Rebig seine Analysen wesentlich getragen durch das Internet. Eine Million Klicks auf die eigene Internetseite in 2011 — "nicht nur regional und saisonal" — korrespondieren mit Nachfragen gerade bei der Tourist-Info. Nur die deutsche Sprachgrenze begrenze dieses Marketinginstrument.

Viel unmittelbarer allerdings seien die Rückmeldungen, die Neuss-Marketing über seine Seite bei Facebook erreichen. Solche Reaktionen böten "die Chance auf einen direkten Dialog", so Rebig, der weiß: Repräsentativ im Sinne von allgemeingültig sind diese zufälligen Reaktionen nicht.

Rückschlüsse lassen auch Reaktionen etwa von Agenturen zu, die ihre Künstler in der Stadthalle oder auf der Rennbahn präsentieren wollen. "Gutes Publikum, gutes Programm — das wirkt auch nach innen, auf die Neusser", sagt Rebig. "In ihrer Stadt ist was los."

Reiner Breuer, für die SPD im Beirat, lobt die gute Projektarbeit von Neuss-Marketing. "Die Begleitmusik für die ZIN-Gründung war sehr gut." Und Kaster formuliert als Ergebnis des Marketing: "Die Neusser sind selbstbewusster geworden."

(NGZ)