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Rhein-Kreis Neuss: Neusser Firma verkauft 1000 Tonnen Giftmais

Rhein-Kreis Neuss : Neusser Firma verkauft 1000 Tonnen Giftmais

Ein Betrieb im Neusser Hafen hat vergiftetes Futtermittel verarbeitet und ausgeliefert. Abnehmer waren auch drei Bauernhöfe im Kreis.

Das Kreisgesundheitsamt hat gestern drei Rinder haltende Betriebe im Rhein-Kreis kontrolliert: Die Milchbauern hatten von einem Neusser Futtermittelhersteller Mais geliefert bekommen, der mit dem Schimmelpilzgift Aflotoxin belastet ist. "Heute wird entschieden, ob die Betriebe gesperrt werden müssen", sagt Kreisgesundheitsdezernent Karsten Mankowsky. Dann soll die Risikobewertung des zuständigen Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) vorliegen.

Am Montag hatte das NRW-Umweltministerium festgestellt, dass ein Futtermittelhersteller im Neusser Hafen den "Giftmais" erhalten hatte. Wie ein Ministeriumssprecher mitteilt, hatte der Neusser Betrieb zwei Lieferungen aus Bulgarien, Rumänien und Polen von einem Seeschiff erhalten. Die erste Lieferung in Höhe von 1000 Tonnen habe die Firma bereits weiterverkauft, so der Sprecher. Eine zweite Marge in Höhe von 1200 Tonnen sei komplett sichergestellt worden.

Beliefert hat der Neusser Futterhersteller, der die Schimmelpilz-Belastung bei einer Eigenkontrolle feststellte, nicht nur drei Betriebe im Rhein-Kreis, sondern insgesamt 29 Milchbauern in NRW, die nun unter Beobachtung des Lanuv stehen. Zudem schätzt das Ministerium, dass rund 60 weitere Milchbetriebe in anderen Bundesländern sowie in Luxemburg und Belgien betroffen sind. Der zulässige Grenzwert von fünf Milligramm pro Kilogramm Mais sei bei den Proben um das dreifache überschritten gewesen, hieß es vonseiten des Ministeriums. Dennoch sei noch kein Bauernhof in NRW gesperrt, sagt Peter Schütz, Sprecher des Lanuv. Man werde zunächst weiter ermitteln.

"Die Frage ist, ob der giftige Mais schon verfüttert wurde", sagt Wolfgang Wappenschmidt, Vorsitzender der Kreisbauernschaft. Falls der Mais noch gelagert wird, könne er entsorgt werden. Falls die Tiere aber bereits damit gefüttert wurden, müssen Milchproben entnommen werden, um festzustellen, wie hoch das Schimmelpilzgift Aflotoxin darin konzentriert ist — und ob die Milch entsorgt werden muss. Ein Prozess, den der NRW-Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, Karl-Josef Vermöhlen, selbst erlebt hat — denn sein Betrieb im Kreis Wesel hatte ebenfalls giftigen Mais geliefert bekommen, ihn aber noch nicht verarbeitet. Sein Futterlieferant — das war eine vom belasteten Mais betroffene Firma aus Rees bei Emmerich — ersetzte die 7,5 Tonnen schwere Marge kostenlos. Solch ein kulantes Vorgehen wünscht sich auch Wolfgang Wappenschmidt für die betroffenen Bauern aus dem Rhein-Kreis, um die Ertragsausfälle zu vermeiden. "Klappt das nicht, müsste privatrechtlich gegen den Lieferanten vorgegangen werden", sagt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft.

Unklar war bis gestern Abend, welcher große Neusser Futtermittelhersteller den belasteten Mais weiterverkauft hatte. Ein Sprecher des Raiffeisen Kraftfutterwerks verneinte, betroffen zu sein. Die Firma Agrifirm lehnte eine Stellungnahme ab, kündigte aber an, sich heute zu dem Fall äußern zu wollen.

(NGZ/top/url)