1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Neusser Fahrlehrer kämpfen um guten Ruf

Neuss : Neusser Fahrlehrer kämpfen um guten Ruf

Eine ACE-Studie moniert eine wenig qualifizierte Ausbildung in den Fahrschulen. Die nennen andere Gründe für hohe Durchfallquoten.

Der Vorwurf wiegt schwer: Der Autoclub Europa (ACE) unterstellt den deutschen Fahrschulen eine mangelhafte Vorbereitung auf die Fahrprüfung und beruft sich auf Zahlen des Kraftfahrtbundesamts. Eine Durchfallquote von 30 Prozent spreche für keine qualifizierte Ausbildung, so der ACE. Stattdessen würden die Fahrschulen von zusätzlichen Fahrstunden der Durchgefallenen profitieren. Die Neusser Fahrschulen sehen darin ungerechtfertigt ihren Ruf beschädigt und wehren sich.

"Wir werden als Abzocker dargestellt, die absichtlich die Fahrschüler durch die Prüfung fallen lassen", sagt Björn Klotzki. Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Neusser Fahrschulen widerspricht auch der Behauptung, man würde durch die Extra-Fahrstunden mehr Geld verdienen.

"Die zusätzlichen Stunden bringen keine Mehreinnahmen. Ein Durchgefallener nimmt einem neuen Schüler nur den Platz weg", so Klotzki, der noch ein Gegenargument vorbringt. Eine Fahrschule lebe auch von der Mundpropaganda unter den Jugendlichen, und da sei jede nicht bestandene Prüfung schlechte Werbung.

Mit der Diskussion über eine hohe Durchfallquote müssen sich die Fahrschulen nicht erst jetzt auseinandersetzen. "Seit mehreren Jahren fällt im landesweiten Schnitt jeder Vierte oder Fünfte durch die erste Prüfung", so Björn Klotzki. Auch kein guter Wert, aber sein Kollege Thomas Kames von der Fahrschule Redline nennt die Gründe: "Die Jugendlichen sind durch ihren Alltag überfordert. Sie haben zum Teil bis spätnachmittags Schule, dann vielleicht noch den Sportverein, und die Vorbereitung auf die Fahrprüfung findet zwischendurch statt", sagt er.

Höhere Anforderungen als vor 20 Jahren stellt auch der gestiegene Straßenverkehr. Der TÜV gibt heute einen Schnitt von 35 Fahrstunden vor, um sich darin zurechtzufinden. Durch das hohe Verkehrsaufkommen fahren die Lehrer am liebsten eine Doppelstunde mit ihren Schülern. Wenn sich die erforderlichen Praxisstunden jedoch über ein Jahr ziehen, bekäme der Fahrschüler nie die notwendige Routine, meinen die Fahrlehrer.

Die Zeiten der Eltern, die für ihren Führerschein drei bis vier Monate gebraucht haben, sind vorbei. "Den Jugendlichen fehlt heute oft auch das Geld für die nächste Fahrstunde. Sie sparen nicht mehr für den Führerschein", sagt Andreas Pickels vom "Fahrschul-Team". Wurde der "Lappen" früher noch als ein Statussymbol angesehen, sei heute das neueste Handy wichtiger.

Die Anmeldegebühr für den Theorieunterricht liegt im Normalfall zwischen 200 und 230 Euro, eine Fahrstunde kostet 30 bis 35 Euro. Sollte ein Schüler zu wenig Stunden aufweisen, prüfen Straßenverkehrsamt und Finanzbehörde sogar den Verdacht der Schwarzfahrten, sagen die Fahrlehrer.

(NGZ/rl)