Neusser "Etienne"-Krankenhaus wird 50 Jahre alt

Neusser Krankenhaus wird 50 Jahre alt : Das „Etienne“ ist Botschafter der Nordstadt

Das Krankenhaus feiert am 6. Oktober Geburtstag mit einem Tag der offenen Tür. Jährlich werden 60.000 Patienten behandelt, davon 20.000 stationär. Jetzt investiert der Träger rund 33 Millionen Euro in einen Neubau für 200 Betten.

Das Johanna-Etienne-Krankenhaus ist ein Botschafter für das nördliche Neuss – und das gleich in zweifacher Hinsicht: Nach innen wirkt die große Klinik mit jährlich mehr als 60.000 Patienten, davon werden 20.000 stationär behandelt, als Arbeitgeber für fast tausend Menschen identitätsstiftend; nach außen besitzt das 415-Betten-Haus mit acht Fachabteilungen eine Strahlkraft weit über die Neusser Stadtgrenzen hinaus. „Wir spielen in der medizinischen Champions League“, sagt Paul Kudlich. Der erst 40 Jahre alte Geschäftsführer lenkt seit vier Jahren die Geschicke des „Etienne“ und sagt voller Überzeugung: „Diesen Weg, der kontinuierlich Großes schafft, möchte ich gern langfristig mitgehen.“ Eine entsprechende Vereinbarung habe er soeben mit dem Träger, der Neusser St. Augustinus-Gruppe, getroffen. Jetzt wird gefeiert. Das „Etienne“ wird 50 Jahre alt. Am 6. Oktober gibt es einen „Tag der offenen Tür“.

Seit 1874 engagierten sich die Neusser Augustinerinnen in der Krankenpflege, die sie in ihrem „Herz-Jesu“ organisierten. Mitte des vorherigen Jahrhunderts reiften die Pläne zu einem neuen Krankenhaus im Norden der Stadt. Es wurde 1968 eröffnet und trägt den Namen der Ordensstifterin Johanna Etienne, die 1846 die Schwesterngemeinschaft gegründet hatte. „In ihrem Sinne arbeiten wir noch heute“, sagt Geschäftsführer Paul Kudlich, das Thema Menschlichkeit besitze im Unternehmen einen hohen Stellenwert. Dafür sorge Schwester M. Josefa, die als Krankenhausoberin im Führungsteam mitarbeitet und eine kluge Ratgeberin sei: „Mit ihr tausche ich mich nicht nur in offiziellen Sitzungen aus.“ Vom „Geist des Ordens“, so Kudlich, profitierten nicht nur die Patienten, sondern auch die Mitarbeiter: „Wenn es die Situation erfordert, wollen wir uns Zeit fürs Gespräch nehmen.“

Aus dem lokalen Krankenhaus ist in 50 Jahren ein Fachklinikum mit nationalem Ruf geworden. Anfang der Woche wurde auch das Zentrum für Darm- und Bauchspeicheldrüsen-Krebs zertifiziert. Es folgt dem Brustkrebs-Zentrum und im nächsten Jahr soll auch das Lungenkrebszentrum dieser Schritt gelingen. Gute Medizin sorgt für gute Geschäftszahlen. Der Jahresumsatz steht kurz davor, die Marke von 100 Millionen Euro zu knacken. Damit ist die finanzielle Basis gegeben, in die Zukunft zu investieren. Das „Etienne“ ist wieder eine Großbaustelle. Für rund 33 Millionen Euro wird ein neues Gebäude mit 200 Betten gebaut; dann werden Zwei-Bett-Zimmer Standard sein und eine moderne technische Ausstattung auch neue Ablaufprozesse ermöglichen. Anfang 2020 soll das neue Haus spätestens in Betrieb genommen werden. Doch damit nicht genug. Anschließend wird der Altbau überall dort saniert, wo er noch nicht auf dem neuesten Stand ist. „Aus dem, was die Schwestern in der Krankenpflege angestoßen haben, ist ein Riesending geworden“, sagt Paul Kudlich, „und es wird weiter gehen.“

Dabei schreckt ihn die sich abzeichnende Fusion der drei kommunalen Krankenhäuser – das städtischen „Lukas“ mit den Kreiskliniken in Dormagen und Grevenbroich – nicht. Auf der operativen Ebene sei die Zusammenarbeit gut. „Wettbewerb ist gesund“, sagt Kudlich, „wenn er fair ausgetragen wird.“

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