Neuss: Neusser erklärt im Fernsehen US-Wahl

Neuss : Neusser erklärt im Fernsehen US-Wahl

Im Gespräch mit Claus Kleber analysiert Michael Werz die amerikanische Präsidentschaftswahl fürs ZDF. Vor 30 Jahren gab er in Neuss das links-liberale Magazin "Zeitgeist" heraus. Heute ist er ein Vordenker für Obama und die Demokraten.

Es ist ein regelmäßiges Wiedersehen via Fernsehen. So wie jetzt am Dienstagabend. Michael Werz (48) kehrt als Amerika-Experte auf die Bildschirme seiner Heimatstadt Neuss zurück, wenn der Politikwissenschaftler im Gespräch mit ZDF-Nachrichtenmann Claus Kleber die Präsidentschaftswahl in den USA analysiert. "Michael Werz ist ein exzellenter Sachkenner, der den Deutschen hervorragend Amerika erklärt", sagt CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe (51), "der aber ebenso gut und oft Deutschland den Amerikanern erklärt."

Zuletzt traf der Neusser Gröhe den Neusser Werz Anfang Oktober in Washington: "Wir sind seit Schultagen freundschaftlich verbunden." Damals, Anfang der 1980er Jahre, gab der Gymnasiast Michael Werz in Neuss das links-liberale Monatsmagazin "Zeitgeist" heraus, für das auch der junge Student Hermann Gröhe den einen oder anderen Beitrag verfasste. Dafür handelte er sich kritische Anmerkungen in seiner Partei ein. Das bestätigt Altmeister Heinz Günther Hüsch (83, CDU): "Die Schrift ,Zeitgeist' empfand mancher Neusser als unangenehm." Er selbst sei Michael Werz damals "x-mal" begegnet. Der heutige Politologe denkt amüsiert an seine Zeit als junger Blattmacher zurück: "Das liegt lange zurück."

Michael Werz besuchte das Humboldt-Gymnasium. Nach dem Abitur studierte er Philosophie, Politikwissenschaft und Amerikanistik in Frankfurt, wo er nach einem Forschungsauftrag in Berkeley (Kalifornien) promovierte. 2004 folgte die Habilitation in Hannover. Wenig später wechselte er in die Staaten. Dort lebt er seither, dort arbeitet er heute im Center for American Progress, der großen Denkfabrik ("Thinktank") der Demokraten, der Partei von Präsident Barack Obama.

Hermann Gröhe hält es für bemerkenswert, dass ein Deutscher in einer amerikanischen Institution "so eine wichtige Aufgabe" übertragen bekommt. Das sei keinesfalls selbstverständlich. Manches Treffen findet auch in Berlin statt. Wenn Michael Werz mit einer Delegation in der Hauptstadt zu Gast ist, fragt er oft bei Gröhe für einen Termin zum Gedankenaustausch an.

Spätestens seit Michael Werz im Center for American Progress arbeitet, ist er ein vielgefragter Gesprächspartner für deutsche Journalisten in den USA. "Er ist erstklassig vernetzt und klug in seiner Analyse", sagt Hanni Hüsch (55). Die Neusserin, die einige Jahre als ARD-Korrespondentin in Washington gearbeitet hat, muss es wissen. Auch sie arbeitete mit Michael Werz zusammen. Sie bildeten ein "Neusser Duo" vor der Kamera für die Zuschauer in Deutschland: "Vor vier Jahren hat Michael Werz die US-Wahlen fürs ARD-Fernsehen erklärt." Gestern war Michael Werz wieder im Interview-Marathon, erklärte vor allem deutschen Medienvertretern wie es zur zweiten Amtszeit von Präsident Obama gekommen war: "Die Latinos haben die Wahl entschieden."

Christian "Hannes" Rulfs (67) beobachtet bis heute aufmerksam den Erfolgsweg des Michael Werz. Zu Zeitgeist-Zeiten gehörte der heutige Neusser SPD-Kulturpolitiker Rulfs zum Blattmacher-Team. Nächtelang redigierte er Texte, verfasste auch selbst Artikel. Ein Hauch von Nach-68er-Ära habe damals die Autoren erfasst. "Das war eine gute Zeit", sagt Rulfs, "Michael Werz und wir hatte manche gute Idee."

Am Dienstag hat Christian Rulfs die Werz-Kommentare zur Präsidentschaftswahl in Amerika verpasst: "Aber irgendwann laufen wir uns in Neuss ja über den Weg."

(NGZ/rl)